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Prozess um Krebsmittel-Verkauf: Fortsetzung mit Zeugenaussagen

Am Mittwoch wurden beim Prozess rund um das Krebsheilmittel Zeugen befragt.
Am Mittwoch wurden beim Prozess rund um das Krebsheilmittel Zeugen befragt. ©APA (Symbolbild)
Am Mittwoch wurde der Prozess um das angebliche Krebs-Heilmittel Ukrain fortgesetzt. Angeklagt ist ein 77-jähriger Chemiker, er soll sich des Betruges schuldig gemacht haben, indem er abgelaufene Ampullen verkaufte, nachdem er diese umetikettiert hatte.
Prozess wurde vertagt
Prozessbeginn in Wien

Das Verfahren gegen die mitangeklagten Frauen hatte die Vorsitzende des Schöffensenat, Marion Hohenecker, am Mittwoch ausgeschieden.

Aus organisatorischen Gründen – die meisten Zeugen sollen zu den Vorwürfe gegen den Ukrainer aussagen – wird gegen die Ex-Frau und die langjährige Sekretärin des Beschuldigten gesondert verhandelt. Die Frauen versicherten nämlich, in die Preisgestaltung für das Medikament nicht einbezogen worden zu sein. Alle drei Angeklagten bekannten sich auch am Mittwoch weiterhin “nicht schuldig”.

Prozess um angebliches Krebsmittel

Der 77-jährige Chemiker hatte seit den 1990er-Jahren über sein Einzelunternehmen mit Sitz in Wien-Wieden das angebliche “Wundermittel” Ukrain verkauft, das seiner Darstellung zufolge jede Art von Krebs heilen soll. Die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftskriminalität und Korruption (WKStA) wirft ihm und den beiden Frauen schweren gewerbsmäßigen Betrug vor. Die Frage der Wirksamkeit des Präparats, an der es Zweifel gibt – der flüssige Extrakt aus Wurzeln des Schöllkrauts ist in Österreich nicht zugelassen und darf daher an sich nicht vertrieben werden -, steht dabei aber nicht im Vordergrund. Prozessgegenstand ist vielmehr der Umstand, dass der 77-Jährige nach der amtlichen Beschlagnahme seiner Bestände alte, teilweise seit Jahren abgelaufene Ampullen einfach umetikettiert und das Haltbarkeitsdatum auf 2015 bzw. 2016 erstreckt haben soll.

“Wenn ich es gewusst hätte, dass es abgelaufen ist, dann hätte ich es ihm zurückgeschmissen”, sagte ein Oberösterreicher im Zeugenstand, dessen Stiefvater an Krebs erkrankt war. “Ich kaufe im Supermarkt ja auch keine abgelaufene Milch.” Er hätte von dem Mittel im Fernsehen gehört und auch ein Oberarzt hätte Ukrain empfohlen. Die an Krebs erkrankte Ehefrau eines weiteren Zeugen bekam nach der Verabreichung “irrsinnige Schmerzen”, sodass sie Ukrain nicht mehr verabreicht bekam.

Ukrain als “letzte Hoffnung”

Eine Apothekerin, deren Ehemann den Krebs nicht überlebt hatte, beschrieb im Zeugenstand Ukrain als “unsere letzte Hoffnung”. Ihr behandelnder Arzt hätte das Mittel empfohlen. “Das sollen wir probieren, weil es ihm schon so schlecht gegangen ist”, sagte die Frau. Kurze Zeit später erlag der Mann der heimtückischen Krankheit. Sie alle schlossen sich dem Verfahren mit einem Privatbeteiligtenbetrag an.

Als Hersteller sei der Angeklagte berechtigt gewesen, neue Etiketten anzubringen, da ihm als Chemiker klar war, dass das Ukrain nach wie vor wirksam war, hielt Verteidiger Adrian Hollaender weiterhin fest. “Das sind alkaloide Salze. Und Salze verderben nicht.” Zum Beweis dafür, dass das Mittel seine Wirksamkeit nicht verloren hat, kündigte Hollaender im Vorfeld des Verfahrens die Vorlage eines privaten Gutachtens an.

Die Verhandlung gegen den 77-Jährigen wird Donnerstagvormittag fortgesetzt.

(APA)

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