Prozess um beschlagnahmtes Koks: Angeklagte bekennen sich schuldig

Weil er zur Vernichtung bestimmtes Kokain aus der Verwahrstelle des Straflandesgerichts Wien abgezweigt hatte, musste sich ein 52-jähriger Ex-Justizbeamter am Donnerstag am Landesgericht Korneuburg verantworten.
Er bekannte sich vollinhaltlich schuldig – ebenso seine ältere Schwester, die laut der Korruptionsstaatsanwaltschaft die Bestimmungstäterin war. Geständig war auch der Drittangeklagte, der die Drogen verkaufte – allerdings bestritt er zunächst die angeklagte Menge.

Ex-Beamter zweigte Koks aus der Verwahrstelle ab

Der Erstangeklagte war seit 1983 bei der Justiz beschäftigt gewesen, seit 2003 im Grauen Haus, wo er 2009 stellvertretender Leiter der Verwahrstelle wurde. Zum Procedere der Vernichtung von beschlagnahmten Drogen führte Oberstaatsanwältin Eva Habicher aus, dass diese in Kisten gesammelt und nach jeweiligem Verfahrenabschluss in Kartons mit der Beschriftung an die Entsorgung (EBS) in Wien-Simmering deponiert wurden. Allerdings erfolgte vor der tatsächlichen Verbrennung kein Abgleich mehr: Niemand schaute mehr nach, was sich in den Schachteln befand, aus denen der Erstangeklagte vor dem Abtransport Kokain genommen hatte.

Schwester verkaufte das Koks

2008 habe der Erstangeklagte auf Bitte seiner Schwester zunächst eine Probe besorgt, dann ein Kilogramm, das der damalige Freund der Frau verkaufte. Dieser wurde Ende 2009 festgenommen und laut Habicher bereits verurteilt. 2010 habe der Beschuldigte dann noch größere Mengen entnommen, bis er im Dezember ertappt und festgenommen wurde. Das Suchtgift sei teils überdurchschnittlich guter Qualität gewesen.

Vier Kilo Kokain wurden aus der verwahrstelle gestohlen

“Verdient” habe der 52-Jährige dabei 3.000 Euro, die ihm seine Schwester gab. Die 55-jährige Invaliditätspensionistin wiederum, wegen Spielschulden in einer finanziell tristen Situation, hatte 9.000 Euro vom Drittangeklagten erhalten – die “großen” Summen wurden damit also nicht verdient, hielt Richterin Xenia Krapfenbauer fest. Vier Kilo Kokain wurden aus der Verwahrstelle entwendet. Verteidiger Rudolf Mayer betonte, dass sein – unbescholtener – Mandant keineswegs mit hoher krimineller Energie ein raffiniertes System entwickelt, sondern sich vielmehr von seiner – nach einem Unfall kranken – Schwester dazu überreden habe lassen.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Prozess um beschlagnahmtes Koks: Angeklagte bekennen sich schuldig
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen