Prozess gegen New York-Terroristen

Am Dienstag hat vor dem Hamburger Oberlandesgericht der weltweit erste Prozess gegen einen der mutmaßlichen Hintermänner der Anschläge vom 11. September begonnen.

Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft dem 28-jährigen Angeklagten Mounir El Motassadeq Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 Fällen sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor.

Der Marokkaner soll als Student in Hamburg eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung der Anschläge gespielt haben. Er galt der Anklage zufolge als eine Art Statthalter, der sich von Deutschland aus um die Finanzierung der Gruppe um Mohammed Atta, Marwan Alshehhi sowie Ziad Jarrah gespielt haben, die ebenfalls in Hamburg studiert hatten. Der Angeklagte bestreitet nach Angaben seiner Verteidiger die Vorwürfe und hat angekündigt, auszusagen.

Die drei Männer sollen die entführten Flugzeuge gesteuert haben, die unter anderem in die beiden Türme des World Trade Centers in New York und in das Pentagon in Washington gelenkt wurden. Motassadeq soll außerdem Kontakt zu der Organisation El Kaida von Osama Bin Laden gehabt haben, den die USA für die Anschläge verantwortlich machen.

Der nach Angaben des Oberlandesgerichtes weltweit erste Prozess gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher der Attentate findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Das Gelände des Gerichts wurde seit Tagen streng kontrolliert. Der Saal selbst wurde eigens für den Prozess sicherheitstechnisch umgerüstet.

Der Prozess wird voraussichtlich bis in das kommende Jahr hinein dauern. Das Gericht will mehr als 160 Zeugen vernehmen. Im Falle einer Verurteilung erwartet Motassadeq eine lebenslange Haftstrafe.

Mutmaßlicher 9/11-Terrorist bestreitet Vorwürfe

Im weltweit ersten Verfahren um die Terroranschläge vom 11. September hat der Angeklagte Mounir El Motassadeq eine Verstrickung in die Attentate in den USA zurückgewiesen. Er habe von den geplanten Anschlägen nichts gewusst, sagte Motassadeq beim Prozessauftakt am Dienstag vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg.

Mit Blick auf seine Kontakte zu den Attentätern sagte der 28-jährige Marrokaner: „In so eine Richtung wurde nie gesprochen.“ Motassadeq ist wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 Fällen angeklagt.

Motassadeq schilderte vor Gericht seinen Lebensweg und seine Bekanntschaft mit dem Todespiloten Mohammed Atta, der als Kopf der Hamburger Terrorzelle gilt. Er habe mit ihm vor allem über religiöse, aber auch über politische Fragen diskutiert. Atta habe aber keinerlei Macht über ihn gehabt. „Ich habe nie gesehen, dass er jemandem befohlen hat, etwas zu machen“, sagte der Angeklagte. Zuvor hatte Motassadeqs Verteidiger Hartmut Jacobi die Überzeugung geäußert, dass der Prozess mit einem Freispruch enden werde. Jacobi beantragte die Anhörung eines Islamwissenschaftler, der darlegen werde, dass der Angeklagte lediglich übliche Freundschaftsdienste für die Gruppe um Atta geleistet habe.

Bundesanwalt Hemberger erhob bei der Verlesung der Anklage den Vorwurf, Motassadeq sei „Statthalter“ der Terrorzelle in Hamburg gewesen, während sich die anderen Mitglieder bereits bei der Flugausbildung in den USA befunden hätten. Er habe dafür auch die Vollmacht für ein Konto des mutmaßlichen Komplizen Marwan Alshehhi gehabt. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft war der Angeklagte am 22. Mai 2000 von Hamburg aus zu einem Trainingslager des Terrornetzwerkes El Kaida gereist, wo er bis Anfang August 2000 geblieben sei.

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