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Prozess gegen ehem. Rathaus-Sprecher

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Als Stalker musste sich am Donnerstag ein ehemaliger Wiener Rathaus-Sprecher im Straflandesgericht verantworten. Fortsetzung folgt am 9. Jänner 2007.

Der 44-Jährige soll seine Ex-Freundin mit E-Mails, Anrufen und „zufälligen“ Begegnungen „widerrechtlich beharrlich verfolgt haben“, wie es im Strafantrag hieß. Zudem legte ihm Staatsanwalt Michael Klackl Körperverletzung zur Last: Mit einer Ohrfeige soll er der 36 Jahre alten Frau auch noch ein Hämatom im Bereich der Nasenwurzel zugefügt haben.

„Ich habe bis heute keine tatsächliche Vorstellung darüber, was daran strafrechtlich relevant sein sollte“, wies der frühere Pressesprecher die Anklage in Bausch und Bogen zurück. Die Frau hatte Anfang Mai 2006 die rund einjährige Beziehung beendet. Der 44-Jährige schrieb ihr in weiterer Folge täglich Mails, in denen es beispielsweise hieß, er verzehre sich weiterhin in ständiger Liebe. Auf die Frage von Richterin Sonja Höpler-Salat, ob er denn nicht bemerkt habe, dass die Ex-Freundin keinen Kontakt mehr wollte, erwiderte der Mann: „Ich habe es bemerkt. Aber es war vorhin auch nicht anders.“

Die Frau habe zuvor schon “14 bis 20 Mal“ die Beziehung für erledigt erklärt, „und sie ist wieder in Ordnung gekommen, weil ich den Kontakt wieder aufgenommen habe.“ Genau darum sei es ihm wieder gegangen: „Ich wollte wissen, was los ist. Ich wollte die Situation normalisieren und verstehen.“

Die Frau sah sich schließlich gezwungen, den Handy-Betreiber zu wechseln und sich eine Geheimnummer zuzulegen. Um vor unerwünschten Besuchen gefeit zu sein, erwirkte sie ein polizeiliches Betretungsverbot sowie eine einstweilige Verfügung, derzufolge der 44-Jährige mit ihr nicht mehr in Kontakt treten durfte.

Er konnte sich nicht daran halten, trieb sich in der Nähe ihrer Wohnung und unweit des Lokals herum, in dem sie arbeitete. Anschließend setzte er sich an seinen PC und verfasste lange Mails. „Natürlich ist das für mich eine unerträgliche Situation gewesen, weil ich nicht mit ihr reden konnte“, räumte er vor Gericht ein.

Sie bei einer persönlichen Begegnung geohrfeigt zu haben, stellte er in Abrede: „Gewalt gegen Frauen ist für mich undenkbar! Das ist ein zentraler Punkt meines Wertekatalogs!“ In einer „Affekthandlung“ habe er zwar die Hand erhoben, doch die Frau habe „mit ihren Oberarmen abgeblockt“, so der Beschuldigte: „Dann hat sie zu weinen begonnen, ich habe zu weinen begonnen, und wir sind einander mehr oder weniger eine halbe Stunde weinend in den Armen gelegen.“

Der Staatsanwalt forderte eine Strafe, weil in seinen Augen die Vorgangsweise des Mannes geeignet war, die Lebensführung der Frau „in unzumutbarer Weise zu beeinträchtigen“. Dabei hätte der Ex-Pressesprecher dem Prozess entgehen können. Doch er schlug die ihm angebotene Diversion aus, welche die Zurücklegung der Anzeige bewirkt hätte: „Das hätte ich teilweises Schuldeingeständnis gesehen.“

Angeblich sollen die Belästigungen bis zuletzt angedauert haben. Einem Gedächtnisprotokoll der Frau zufolge bekam ihr Ex-Freund ihre Geheimnummer heraus und drohte ihr unter anderem mit dem „finanziellen Ausbluten“. Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem Ende der Beziehung soll er ihr eine Karte für eine „Carmen“-Vorstellung in der Staatsoper unter den Scheibenwischer ihres Pkw geklemmt haben.

Die 36-Jährige und zahlreiche weitere Zeugen werden beim nächsten Verhandlungstermin vernommen. Dieser wurde auf den 9. Jänner festgelegt.

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