Prozess: Falschen Gas-Kassierern drohen bis zu 10 Jahre Haft

Dreiste Trickdiebe schlugen in Wien 120 Mal zu - und erbeuteten über eine Million Euro! Ältestes Opfer war 100 Jahre alt.

Wien (APA) – Besonders abgefeimte Trickdiebe mussten sich am Dienstag im Wiener Straflandesgericht verantworten: Die Bande hatte im Vorjahr mit dem so genannten Gaskassier-Schmäh in der Bundeshauptstadt fette Beute gemacht. 120 teilweise hochbetagte Opfer – die Älteste war 100 Jahre alt – fielen auf die Männer herein. Inkriminierte Beute: Mehr als eine Mio. Euro. Die Verhandlung wurde zur Ladung weiterer Zeugen auf den 5. Dezember vertagt.

Einer der Angeklagten beging in der Vorwoche in seiner Zelle Selbstmord, so dass nun drei verbliebene Täter im Alter von 37, 25 und 26 Jahren dem Schöffensenat weitgehend umfassende Geständnisse präsentierten. Als Beitragstäter war auch der Vater eines beschuldigten Betrügerpaares angeklagt, dem Staatsanwältin Susanne Waidecker Chauffeur- und Aufpasserdienste ankreidete. Der Mann betonte allerdings, seinen Söhnen geglaubt zu haben, die ihm versichert hätten, für eine Vertriebsfirma für Wintergärten und Balkonverglasungen tätig und zu sein und damit einen anständigen Beruf auszuüben.

Die Opfer suchten sich die Diebe teilweise auf offener Straße aus, indem sie ihnen einfach bis vor die Haustür folgten und dann anklopften. Auch im Telefonbuch wurden sie fündig: Namen wie „Ottilie“ ließen nach ihrem Dafürhalten auf ein hohes Alter schließen, womit sie oftmals Recht behielten.

Den Pensionisten machten die Männer dann mittels gefälschter Ausweise vor, vom Gas- oder E-Werk zu kommen und den Verbrauch ablesen zu müssen. Während „der Leser“ – so die interne Bezeichnung – die Leute ablenkte, stellte „der Sucher“ die Wohnung auf den Kopf und nahm Schmuck und Bargeld an sich – in einem Fall sage und schreibe Banknoten in der Höhe von 140.000 Euro. Danach stellte „der Leser“ den Wohnungsbesitzern noch 500 bis 600 Euro für das Ablesen in Rechnung, was auch oft bezahlt wurde.

In einigen Fällen erschien nach dem geglückten Coup ein bisher nicht in Erscheinung getretener Täter mit einem entwendeten Schmuckstück und gab vor, Polizist zu sein: Die Brosche sei gefunden worden, nun müsse er eine Befragung durchführen. Während er dies tat, durchstöberten seine Komplizen im Nebenraum die bis dahin ungeöffneten Schubladen und Schränke.

Sollte es zu Schuldsprüchen kommen, drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft.
(Schluss) sso/ww

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