Prozess: Anwalt war angeblicher Fluchthelfer eines Geldfälschers

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Auf spektakuläre Art und Weise entwischte am 13. April 2005 der Kopf einer internationalen Geldfälscherbande aus der Justizanstalt Josefstadt. Nun muss sich ein Jurist, der angeblich als Fluchthelfer fungierte, vor Gericht verteidigen.

Der als Anwalt verkleideter Mann spazierte ins Gefängnis, ließ sich Dimitr K. alias Ivan Ivanov zu einer vorgeblichen Besprechung vorführen, übergab diesem dann in einem Pilotenkoffer mitgebrachte Kleidung und verließ mit dem Kriminellen seelenruhig und unbehelligt die Justizanstalt. Dimitr K. ward seither nicht mehr gesehen.

Dass es soweit kommen konnte, soll laut Staatsanwalt Michael Schön erst ein 48-jähriger Wiener Rechtsanwalt ermöglicht haben, der sich dreieinhalb Jahre nach der geglückten Flucht am Dienstagnachmittag im Wiener Straflandesgericht zu verantworten hatte. Der Jurist, der inzwischen von einer Berufsunfähigkeitspension lebt, soll demnach dem eigentlichen Fluchthelfer seinen Anwaltsausweis überlassen haben, den – so die Anklage – dieser unter Verwendung eines erfundenen Namens und eines Fotos verfälschte.

Unter Vorlage des Falsifikats und einer Legitimationsurkunde der Anwaltskammer sei es dem Mann gelungen, die Justizwache zu täuschen und sich als Verteidiger von Dimitr K. zu auszugeben, sagte der Staatsanwalt. Der echte Anwalt, der Dimitr K. sogar eine Weile selbst vertreten hatte, sei in diese Pläne eingeweiht gewesen und habe diese mitgetragen.

Der Angeklagte wies das zurück: “Meinen Originalausweis hat er nie gehabt. Das schließe ich tausendprozentig aus.” Er bekenne sich daher “nicht schuldig”. “Frau Rat, darf ich einen alten österreichischen Trainer zitieren? Ich brauch keinen Schiedsrichter, der für mich pfeift. Ich brauch aber auch keinen, der gegen mich pfeift”, appellierte er an ein faires Verfahren.

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