Prodi kämpft um politisches Überleben

Romano Prodi, Regierungschef in Italien, äußert sich bereits so, als stehe sein politisches Überleben auf dem Spiel. "Bei der Abstimmung um den Haushalt setze ich alles auf eine Karte", so Prodi.

Das klingt trotzig und kämpferisch – aber auch nach schwerer Bedrängnis. Gerade mal ein gutes halbes Jahr ist Prodi im Amt, doch der Elan und die Welle der Hoffnung, die nach der Wahl im April durch Italien gingen, sind verebbt. Ernüchterung und Enttäuschung machen sich breit. Und im Hintergrund lauert ein Mann, der seine Niederlage noch immer nicht verwunden hat: Silvio Berlusconi.

Ein ganzes Bündel von Problemen türmt sich vor Prodi: Da ist die Verabschiedung des Sparhaushalts im Parlament, die sich zu einem zähen Gefeilsche und Dauerpoker entwickelt. Insgesamt neun Mal hat Prodi bisher angesichts hauchdünner Mehrheiten zum „Zuchtmittel“ der Vertrauensabstimmung greifen müssen – nicht gerade ein Zeichen der Stärke für seine Koalition. Bis Jahresende soll sich die Angelegenheit hinziehen.

Problem Nummer Zwei ist die Sache mit dem möglichen Wahlbetrug: Immer mehr ungültige Stimmzettel werden jetzt überprüft, allein das dürfte bis zum Sommer dauern. „Eine peinliche Angelegenheit“, wie Kommentatoren bemerken. Geschickt schürt Berlusconi das Thema, stellt sich und sein Mitte-Rechts-Lager als Opfer dar, fordert jetzt gar die Auszählung aller Stimmzettel. Kaum jemand in Italien glaubt tatsächlich, dass sich das Wahlergebnis vom April wesentlich ändern wird – doch die Überprüfung ist wie ein Makel für die Regierung.

Das Schlimmste aber: Die Wähler haben das Vertrauen verloren. Laut einer der neuesten Umfragen der Zeitung „La Repubblica“, einem eher Prodi-freundlichem Blatt, meinen 41 Prozent der Italiener, seit den Wahlen im April sei es in Italien „schlechter bis sehr viel schlechter geworden“. Selbst im „roten“©Bologna, seiner Heimatstadt, musste Prodi bei einem jüngsten Auftritt ein Pfeifkonzert über sich ergehen lassen. „Du machst Italien kaputt, wie alle Kommunisten“, skandierte die Menge ebenso wie „Mortadella, Mortadella“ – die Bologneser Wurstspezialität ist mittlerweile zum Standardschimpfwort für den Regierungschef geworden.

Das Pfeifkonzert wurde zum Fiasko, zum Spitzenthema in den TV-Abendnachrichten. „Der verlorene Konsens“, kommentierte „La Repubblica“. Prodi selbst reagiert dünnhäutig: „Das war alles organisiert, alles Propaganda.“

Berlusconi wittert sein Chance. „Wir werden die Regierung nach Hause schicken“ – fast täglich wiederholt der 70-jährige seinen Schlachtruf. Nicht einmal ein öffentlicher körperlicher Zusammenbruch konnte ihn aufhalten: Jüngst sackte er zwar bei einer Parteirede vor laufenden Kameras in sich zusammen, musste für mehrere Tage zu Herzuntersuchungen ins Krankenhaus – doch kaum entlassen, stand er auf einer großen Anti-Prodi-Demonstration in Rom auf dem Podium. Hunderttausende Menschen waren gekommen, um gegen „Mortadella“ zu protestieren. „Es sind nicht die Demonstranten auf der Straße, die eine Regierung zu Fall bringen“, meint Prodi – sonderlich optimistisch klingt das nicht.

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