Prodi in Heimatstadt heftig ausgepfiffen

Der italienische Regierungschef Romano Prodi ist am Sonntag bei einem Besuch bei der Automesse Motorshow in seiner Heimatstadt Bologna heftig ausgepfiffen worden.

Rund 40 Aktivisten verschiedener Rechtsparteien riefen an den Eingängen zur Messe Slogans gegen Prodi und für den Oppositionschef Silvio Berlusconi. „Prodi, du ruinierst Italien“ riefen einige Demonstranten, die auch Slogans zu Ehren des faschistischen Diktators Benito Mussolini skandierten. Prodi reagierte empört: „Die Demonstration gegen mich war lang vorher organisiert worden. Es hat sich nur um eine Handvoll schlecht Erzogener gehandelt.“ Das Land befinde sich in einer finanziell schwierigen Situation, er werde aber weitermachen und sein Sparpaket im Parlament trotz der Proteste durchsetzen.

Meinungsvorscher warnten, dass Prodi stark an Popularität verloren habe. Der Ministerpräsident habe wegen des Haushaltsgesetzes 2007 stark an Zustimmung eingebüßt, das Italien mit neuen Steuern belasten werde. Der Ex-Gewerkschaftsführer und heutige Bürgermeister von Bologna, Sergio Cofferati, warnte, die Mitte-Links-Regierung dürfe die Proteste nicht unterbewerten. Mit dem Haushalt 2007 habe sie die einkommensschwachen Kategorien enttäuscht, die sich von Prodis Kabinett eine stärkere Unterstützung erhofft hatten. Rechtspolitiker fragten, welchen Beweis Prodi noch benötige, um zu verstehen, dass die Italiener ihn „satt“ hätten. Eine Million Demonstranten seien vergangene Woche auf die Strasse gegangen, um gegen die Regierung zu protestieren.

In dieser schwierigen Lage bereitet sich Prodi auf eine Vertrauensabstimmung im Senat vor, um das umstrittenen Budgetgesetz über die Bühne zu bringen. Die Abstimmung ist für Ende dieser Woche vorgesehen. Im Senat verfügt Prodi über eine hauchdünne Mehrheit und ist daher auf die Stimmen von sechs Senatoren auf Lebenszeit angewiesen. Am Dienstag wird die EU-Kommission einen Bericht verfassen, in welchem das Budgetgesetz und die bisherigen Wirtschaftsreformen der Regierung Prodi für gut befunden werden, allerdings zu einer raschen Rentenreform gemahnt wird.

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