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"Privatversicherte" haben im Spital oft falsche Erwartungen

Heikel wird es bei den Erwartungen bezüglich der Aufnahme von Zusatzversicherten in Belegspitälern.
Heikel wird es bei den Erwartungen bezüglich der Aufnahme von Zusatzversicherten in Belegspitälern. ©APA (Sujet)
Der neue "Verein der Belegärzte" klärt über die rechtlichen und ethischen Verpflichtungen von Spitälern gegenüber Patienten mit privater Krankenversicherung auf, da es hier oftmals falsche Erwartungen gibt.

Rund 3,3 Millionen Menschen in Österreich haben eine private Krankenversicherung, zumeist eine "Zusatzversicherung" für den Fall eines Spitalsaufenthaltes.

Teilweise falsche Erwartungen der Patienten und finanzielle Restriktionen der Versicherungen führen zu Diskussionen. Darauf wurde vor einigen Tagen bei einem Online-Symposium des in Wien gegründeten "Vereins der Belegärzte" verwiesen.

Unterschied zwischen Belegspital und öffentlichem Krankenhaus

Die Frage, was der "Privatversicherte" von seiner Zusatzversicherung im Endeffekt hat, ist am häufigsten Gegenstand von Diskussionen. So stellt sich die Frage, ob solche Patienten - beispielsweise vor einer Operation - für behandlungsbezogene notwendige Diagnosemaßnahmen schon vor dem Eingriff stationär aufgenommen werden können. Muss der Kranke die notwendigen Untersuchungen, beispielsweise für die Operationsfreigabe beim Internisten, ambulant durchführen lassen oder ist das auch bereits im Spital möglich? Eine andere Frage ergibt sich oft aus der Länge des Krankenhausaufenthaltes nach einer medizinischen Intervention. "Wie lange kann man Patienten nach einem solchen Eingriff noch im Spital belassen?", sagte der Wiener Onkologe Christoph Zielinski, Präsident des Vereines. Hier geht es um die Schnittstelle zwischen eigentlicher medizinischer Behandlung und Rehabilitation.

Wichtig sind die Definitionen: Ein Belegspital ist ein privates Krankenhaus. Die Patienten haben, beispielsweise im Rahmen einer privaten Krankenversicherung, die Möglichkeit, den Arzt oder die Ärztin ihres Vertrauens in die Klinik mitzubringen. Ein Vertragsverhältnis besteht somit zwischen dem Patienten und dem privaten Krankenhaus sowie zwischen dem Kranken und "seinem" Arzt. Die Auswahlmöglichkeit bezüglich des behandelnden Arztes durch den Privatversicherten ist der größte Unterschied zur Betreuung von Patienten ohne private (Zusatz-)Krankenversicherung in öffentlichen Spitälern.

Medizinisch selbst darf kein Unterschied zwischen einer Behandlung in einem öffentlichen Krankenhaus und in einem Belegspital bestehen. Jede medizinische Versorgung in einem österreichischen Spital muss "dem allgemeinen Stand der medizinischen Wissenschaft", entsprechen, betonte Helmut Ofner, Vorstand des Instituts für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung der Uni Wien. Das zu erbringende Leistungsniveau der medizinischen Versorgung von Patienten ergebe sich nach österreichischem Recht aus medizinischen Fachpublikationen und Leitlinien. Diagnose und Behandlung müssten sich am internationalen Stand der Medizin orientieren. Nationale oder gar regionale Standards gebe es - rechtlich gesehen - nicht. Differierende Qualitätskriterien - beispielsweise zwischen Krankenhäusern in einzelnen Bundesländern - sind demnach nicht zulässig.

Gleiche Kriterien bei Dauer des Spitalsaufenthalts gültig

Heikel wird es bei den Erwartungen bezüglich der Aufnahme von Zusatzversicherten in Belegspitäler. Auch hier gelten die gleichen Kriterien für die Patienten wie auch im öffentlichen Krankenhaus und ohne Zusatzversicherung. Weder für diagnostische Maßnahmen vor einem Eingriff noch gar für eine prophylaktische Diagnostik ("Check-Up") existiert eine andere Stellung von Zusatzversicherten im Vergleich zu anderen Patienten.

So erklärte Michaela Windisch-Graetz, Vorständin des Instituts für Arbeits- und Sozialrecht der Universität Wien, bei dem Symposium mit dem Titel "Zugang zur besten medizinischen Betreuung im Spiegel von Ethik und Recht": "Es muss Anstaltsbedürftigkeit (für eine Spitalsaufnahme, Anm.) bestehen." Dies gelte sowohl für den Fall von Diagnosemaßnahmen vor Operationen als auch für die Betreuung nach medizinischen Eingriffen. Hier bestehe kein Unterschied zum "normalen" Kassenpatienten. "Der Scheich aus Dubai, der alles privat zahlt, kann sich hingegen auch alles leisten", sagte Michaela Windisch-Graetz.

Auf der anderen Seite benötigen auch die in den Belegspitälern tätigen Ärzte Sicherheit, was ihre Position gegenüber den privaten Krankenversicherungen betrifft. "Wir wollen die Anliegen unserer Patienten vertreten. Wir als Belegärzte brauchen wiederum rechtliche Sicherheit. Nicht die Ökonomie soll bestimmend sein, sondern unsere ärztliche Verantwortung und die von uns in der täglichen Arbeit umgesetzten ethischen Verpflichtungen", sagte Zielinski.

(APA/Red)

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