Private Revolutions - Jung, weiblich, ägyptisch - Trailer und Kritik zum Film

Als sich im Jänner 2011 Menschen auf dem Kairoer Tahrir-Platz versammelten, protestierten auch Frauen Hand in Hand gegen Hosni Mubarak.

Die Bilder inspirierten Filmemacherin Alexandra Schneider, vier Ägypterinnen mit dem Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung zu begleiten. Ihre Doku “Private Revolutions” startet am 13. Februar in einzelnen Kinos und ist auch ein Film über Revolution an sich.

Private Revolutions – Geschichte

Über fast zwei Jahre, von Juni 2011 bis März 2013, hat Schneider vier junge Frauen, die jede auf ihre Weise und mit anderer Agenda für mehr Freiheit und Gleichberechtigung in ihrer Welt kämpfen, mit einem kleinen Kamerateam begleitet. Sie ging mit ihnen auf die Straße, wo die Proteste wieder auflebten, begleitete sie bei ihrem so bedeutenden Schritt in die Wahlkabinen bei den Präsidentschaftswahlen 2012, besuchte sie aber auch in ihrem Zuhause, erfuhr von ihren Sorgen und Ängsten, erlebte ihre Rückschläge während dieser Zeit mit.

Schneiders Protagonistinnen sind klug gewählt. Die vier Frauen eint der mehr oder weniger forcierte Ausbruch aus patriarchalen Strukturen, und doch sind sie sehr unterschiedlich. Sharbat Abdullah ist die kampffreudigste unter ihnen: Bis heute geht sie regelmäßig mit ihren drei Söhnen auf den Tahrir-Platz, wappnet sich gegen zunehmende sexuelle Übergriffe auf Frauen mit Gasmaske, Schutzbrille und Messer. “Wir zeigen ihnen, wir wehren uns”, sagt sie, die für ihre Protestbereitschaft von ihrem Ehemann und von der Nachbarschaft geächtet und von Anhängern der Muslimbrüder vor laufender Kamera beschimpft wird.

Ausschließlich mit Worten wehrt sich Amani Eltunsi: Als jüngste Verlegerin im Nahen Osten hat sie ihren eigenen Radiosender für Frauen, auf dem sie Benachteiligung und sexuelle Gewalt thematisiert. Sie gibt sich offen und verletzlich vor der Kamera, erzählt in einer betroffen machenden Szene von ihrem Kindheitstrauma der schmerzhaften, erzwungenen Beschneidung. Ebenso wie die junge Nubierin May Gah Allah, die ihren Bankjob in Dubai zurückgelassen hat, um in ihrer Heimat Assuan ein Entwicklungsprojekt aufzubauen, steht Amani heute vor allem unter jenem Druck, zu heiraten und Kinder zu bekommen.

Private Revolutions – Kritik

Im starken Kontrast dazu steht Fatema Abouzeid. Ihr Tagesablauf ist klar strukturiert, um neben “weiblichen Pflichten” für Söhne und Ehemann ein Doktoratsstudium und die ehrenamtliche Arbeit im Wahlkampf für die Muslimbrüderschaft unterzubringen. Als der von den Muslimbrüdern unterstützte Mohammed Mursi Präsident wird, arbeitet sie in seinem PR-Team – und Schneiders Filmteam wird von der Partei ausgesperrt.

Wortgewandt, selbstbewusst und zielorientiert sprechen die vier beeindruckenden Frauen vor der Kamera. Der Dreh kommt in einer spannenden Zeit des Aufbruchs – für sie ebenso wie für ihr Land. Die Zeitspanne ermöglicht es, die Auf und Abs hautnah zu erleben: Wenn die anfangs von Fortschritten euphorisierte Amani durch einen Brandanschlag auf ihre Buchhandlung und den Besuch unbekannter “Beamten” ihre Energie zunehmend verliert und sich dazu gezwungen sieht, ihre Heimat zu verlassen, steht dies auch sinnbildlich für den Verlauf einer Revolution – von der anfänglichen Euphorie, die mit einem Umbruch einhergeht, bis zur Enttäuschung. Am Ende von “Private Revolutions” ist klar, dass die gesellschaftliche Veränderung in Ägypten erst begonnen hat – und es Ausdauer solch weiblicher Kämpfernaturen braucht, um sie voranzutreiben.

Beim Menschenrechtsfilmfestival this human world im Vorjahr mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, startet Schneiders Tribut an Sharbat, Fatema, Amani und May am 13. Februar vorerst im Wiener Votivkino und eine Woche darauf im Top Kino in Wien, im Linzer Moviemento sowie im Kino Freistadt. Allzu lange Zeit lassen sollte man sich mit seinem Kinobesuch nicht.

Alle Spielzeiten auf einem Blick

(APA)

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