"Prüfbericht sprach für sich"

Der BAWAG-Prüfbericht 2001 habe für sich gesprochen und hätte für eine weitere Aufarbeitung Anlass gegeben, sagte Tumpel-Gugerell.

Tumpel-Gugerell war damals in der Nationalbank für die Bankprüfung zuständig. Sie hat nach eigenen Angaben den Prüfbericht gelesen, abgezeichnet und an die im Finanzministerium angesiedelte Bankenaufsichtsbehörde weitergeleitet.

Im Prüfbericht, der später im Finanzministerium schubladisiert worden ist und zu keinen Konsequenzen geführt hat, wird unter anderem angeführt, dass im BAWAG-Bereich Beteiligungsmanagement keine materiellen Prüfhandlungen vorgenommen werden konnten. Die BAWAG hatte – auch nach Aufforderung dazu – bis zum Ende der Prüfung keine Liste der Offshore-Gesellschaften übermittelt. „Das Problem war, dass nicht einsichtig war, dass die Stiftungen der BAWAG zuzuordnen waren “, so Tumpel-Gugerell.

Bei den Uni-Bonds hätte man den offensichtlichen Risikogleichlauf und dem dadurch möglichen Klumpenrisiko nachgehen müssen. Das wäre aber Sache des Finanzministeriums gewesen, betonte Tumpel-Gugerell heute, „das Finanzministerium hätte den Prüfbericht lesen müssen“. Sowohl die BAWAG als auch die Bankenaufsicht hätten handeln müssen, „der Prüfbericht spricht für sich“, so Tumpel-Gugerell. Empfänger des Prüfberichtes sei der jetzt pensionierte Ministerialrat Alexander Gancz gewesen. „Ich bin nicht davon ausgegangen, dass der Bericht in der Schublade verschwindet, ich bin davon ausgegangen, dass was getan wird“, sagte Tumpel-Gugerell heute.

Zu ihrem privaten Kontakt zum ehemaligen BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner meinte Tumpel-Gugerell, sie kenne Elsner seit vielen Jahren, habe ihn öfters bei gesellschaftlichen Ereignissen getroffen und sei auch zweimal – gemeinsam mit ihrem Mann – bei ihm eingeladen gewesen. Über die BAWAG beziehungsweise die Verluste der BAWAG sei dabei nie gesprochen worden. Eine Interessenskollision zwischen ihr und ihrem Mann – dieser war bis April 1997 Aufsichtsratspräsident der BAWAG – habe sie nie gesehen. Sie sei erst im Juli 1997 in die Nationalbank gekommen, der sie bis Juli 2003 angehört habe.

Von den massiven Verlusten der BAWAG habe sie erst im ersten Quartal 2006 aus den Medien erfahren. Dass es in der Folge des kritischen Prüfberichtes 2001 keine weitere Follow-up-Prüfungen, sondern im Jahr 2003 nur Managementgespräche gegeben habe, dieser Vorschlag komme nicht von ihr aber aus ihrer Abteilung. Die Geschäfte mit Wolfgang Flöttl und die Sondergeschäfte seien dabei nie Thema gewesen, da zwei Jahre früher von der BAWAG berichtet worden sei, dass sie eingestellt worden seien. Auch habe es vom Finanzministerium einen Aktenvermerk gegeben, dass die kritisierten Dinge umgesetzt wurden.

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