Posener Erzbischof Gadecki stellt Ultimatum an Vatikan

Der Erzbischof von Poznan (Posen) in Polen, Stanislaw Gadecki, hat ein Rücktrittsgesuch eingereicht, wie die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" erfahren hat. Dies sei ein Protest gegen die Entscheidung des Vatikan, Strafmaßnahmen gegen Gadeckis Vorgänger Juliusz Paetz zurückzunehmen, dem sexuelle Belästigung von Priestern und Seminaristen vorgeworfen wurde.

Darüber, dass die vatikanische Bischofskongregation beschlossen habe, die Sanktionen gegen Paetz zurückzunehmen, berichtete die “Gazeta Wyborcza” am gestrigen Donnerstag. Laut der Zeitung hat Paetz mehreren Priestern ein entsprechendes Dokument mit der Unterschrift des Präfekten der Kongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, gezeigt.

Gadecki hatte die Leitung des Posener Erzbistums übernommen, nachdem Paetz zurückgetreten war. Gadecki kämpft gegen die Aufhebung der Strafmaßnahmen gegen Paetz an. Die Bischofskongregation hatte Paetz verboten, das Bischofsamt auszuüben. So durfte er etwa Sakramente wie Firmung und Priesterweihe nicht mehr spenden, ehe er Ende März 2002 schließlich zurücktrat. Laut “Gazeta Wyborcza” traf sich Gadecki vor einigen Monaten mit Re. Dabei habe der Erzbischof dem Kardinal gesagt, dass er die Sex-Affäre nicht vertuschen werde, weil er von der Schuld Paetz’ überzeugt sei. Gadecki soll ein Ultimatum gestellt haben: Entweder der Straferlass werde annulliert, oder er trete zurück.

Laut Zeitungsbericht reichte der Erzbischof dann kurz nach dem Gespräch mit Re in der Nuntiatur tatsächlich ein schriftliches Rücktrittsgesuch ein. Gadecki versuchte angeblich, sich in dieser Angelegenheit mit Papst Benedikt XVI. zu treffen. Er bekam dafür aber keine Bewilligung der vatikanischen Beamten. “Er hat aber einen Brief an den Papst geschickt, und Ende Mai nach einer Generalaudienz im Vatikan ist er an den Papst herangetreten und hat kurz mit ihm gesprochen. Der Heilige Vater versprach damals, sich mit der Angelegenheit nochmals zu befassen”, sagte ein dem Posener Domkapitel nahestehender Geistlicher, der anonym bleiben wollte, “Gazeta Wyborcza”.

Die Sex-Affäre um Paetz war vor acht Jahren nach einer Veröffentlichung der Zeitung “Rzeczpospolita” ans Licht gekommen und hatte für Erschütterung in Polen gesorgt. Die Zeitung hatte bekanntgemacht, dass Paetz Seminaristen belästigt habe. Er habe sie zu Treffen unter vier Augen eingeladen, berührt und geküsst.

Eine Gruppe katholischer Geistlicher und Intellektueller hatte Paetz zum Rücktritt aufgefordert und in einem Brief an die päpstliche Nuntiatur in Warschau über sittliche Vergehen des Erzbischofs berichtet. Das Schreiben soll aber in den vatikanischen Ämtern steckengeblieben sein. Laut “Rzeczpospolita” hatte der Rektor des Posener Priesterseminars aus Sorge um seine Studenten dem Bischof verboten, das Seminar zu betreten. Erst nach Bekanntwerden der Affäre hatte der Heilige Stuhl eine Untersuchungskommission nach Polen geschickt. Paetz hat die Vorwürfe stets bestritten und erklärt, dass seine “Spontaneität” fehlinterpretiert worden sei.

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