Portugal mit Respekt vor Deutschland

Trotz souveränem Gruppensieg hat die portugiesi­sche Nationalmannschaft vor dem Viertelfinale in Basel gehörigen Respekt vor Deutschland.

Zu Turnierbeginn hatte Teamchef Luiz Felipe Scolari die Deutschen sogar als den großen Favoriten bezeichnet. Die Diktion im portugiesischen Lager hat sich mittlerweile aber leicht geändert.

“In diesem Spiel kann man nicht über Favoriten sprechen. Jedes Team hat seine Schwachpunkte”, betonte Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, der nach Titeln in der Champions League und der Premier League das große “Triple” im Visier hat. “Es wäre mein Traum, den EM-Titel zu holen.” Und mit ihm der Traum eines ganzen Landes. 2004 im eigenen Land waren die Portugiesen im Finale an Griechenland gescheitert. Bei der WM 2006 folgte im Spiel um Platz drei eine Niederlage gegen Deutschland (1:3).

Daran denkt heute niemand mehr. “Alle Spieler wissen, was sie auf dem Feld zu tun haben. Wir haben sehr viel Selbstvertrauen”, betonte Ronaldo. Nach überzeugenden Siegen gegen die Türkei (2:0) und Tschechien (3:1) hatte es sich Teamchef Scolari leisten können, gegen die Schweiz eine leicht verstärkte B-Elf aufzubieten. Die folgende 0:2-Niederlage war erst das zweite der vergangenen 22 Spiele, in denen die Portugiesen kein Tor erzielt haben.

Dafür hat Portugal nun einen großen Vorteil: Das Team ist erholt. Ronaldo, Deco und Co. haben sich praktisch eine ganze Woche in Ruhe auf das Viertelfinale vorbereiten können, während es bei den Deutschen nach dem Entscheidungsspiel gegen Österreich gerade einmal zwei Tage waren. Scolari kann aus dem Vollen schöpfen und dürfte wieder zu seiner Stammformation zurückkehren – mit der prominenten Sturmreihe Simao, Nuno Gomes, Ronaldo und dem spielstarken Mittelfeld Deco, Petit, Joao Moutinho.

Das Vertrauen in Ronaldo ist groß. “Es ist gut, diesen Jungen in unserem Team zu haben”, sagte Petit. “An einem inspirierten Tag kann er ein Spiel alleine erledigen.” Ronaldo trainierte am Dienstagnachmittag nicht mit seinen Kollegen, wurde stattdessen wegen einem minimalen Muskelproblem im Oberschenkel behandelt. Sein Einsatz ist allerdings nicht in Gefahr. “Die Details werden entscheidend sein”, meinte der Superstar von Manchester United. “Portugal ist technisch besser, Deutschland im physischen Bereich. Das ist aber kein Problem für uns.”

Scolari hatte die Deutschen, die er im WM-Finale 2002 mit Brasilien (2:0) bezwungen hatte, im Turnierverlauf vor allem für ihre taktische Disziplin gelobt. “Vom taktischen Standpunkt aus habe ich niemand besseren als Deutschland gesehen”, sagte Scolari. Nach dem Auftaktspiel gegen Polen (2:0) hatte er die DFB-Elf sogar als “bestes Team des Turniers” bezeichnet. “Mir gefällt ihre Art, Fußball zu spielen”, begründete Scolari, erstarrt aber keinesfalls in Ehrfurcht. Zu groß ist der Glauben an die eigene Mannschaft.

Das jüngste Duell im WM-Spiel um Platz drei in Stuttgart war zwar verloren gegangen, bei der EURO hatten die Portugiesen den Deutschen aber bereits einmal eine schwere Stunde bereitet. 2000 warf ein portugiesisches B-Team Deutschland mit einem 3:0-Triumph in Rotterdam dank dreier Tore von Mittelfeldspieler Sergio Conceicao schon in der Gruppenphase aus dem Turnier.

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