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Portugal hat eine 100-Millionen-Abwehr

Nicht von schlechten Eltern: 20,5 Millionen Euro für Bosingwa, 30,5 für Pepe, 30 für Ricardo Carvalho und 20 für Paulo Ferreira.

Ihre aktuellen Clubs haben sich die defensive Viererkette des portugiesischen Fußball-Nationalteams insgesamt 101 Millionen Euro kosten lassen. Alle kommen von Serienmeister FC Porto, der sich mit ihnen in den vergangenen Jahren eine goldene Nase verdient hat. Und sie werden bereits als beste Abwehrreihe der EURO 2008 bezeichnet.

Mehrere Medien hatten Ricardo Carvalho und Pepe zuletzt gar zum besten Innenverteidiger-Duo der Welt erklärt. “Um das zu rechtfertigen, müssen wir aber zuerst einmal einen Titel gemeinsam gewinnen”, erinnerte Pepe. Der gebürtige Brasilianer hatte im Turnierverlauf bisher nicht nur in der Defensive überzeugt, sondern mit einem herrlichen Tor zum Auftakt gegen die Türkei (2:0) auch seine technischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt.

Im Mittelpunkt steht in Portugal zumeist die spektakuläre Offensive um Superstar Cristiano Ronaldo. Doch als neues Prunkstück hat sich die Abwehr etabliert. Lediglich bei Standardsituationen ist die Hintermannschaft etwas anfällig. Da hatte auch Tschechiens Libor Sionko den einzigen Treffer gegen das A-Team der Portugiesen erzielt. Gegen die Schweiz (0:2) hatte Teamchef Luiz Felipe Scolari Bosingwa und Ricardo Carvalho geschont.

Ricardo Carvalho (30) und Paulo Ferreira (29) waren es 2004 auch gewesen, die ihrem damaligen Trainer Jose Mourinho nach dem Triumph in der Champions League als Erste in Richtung Chelsea gefolgt waren. 50 Millionen Euro hatten sich die Londoner das Verteidiger-Duo damals kosten lassen. Eine eindrucksvolle Heim-EM, bei der Carvalho ins All-Star-Team gewählt wurde, hatte ihren Teil dazu beigetragen, die Ablösesumme in die Höhe zu treiben.

Schon vor der laufenden EURO hatte sich Chelsea auch die Dienste von Rechtsverteidiger Jose Bosingwa (25) gesichert. Damit stehen Scolari, der nach dem Turnier das Traineramt beim englischen Vizemeister übernimmt, drei Viertel der nationalen Viererkette zur Verfügung. Bosingwa stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, dem früheren Zaire, war aber bereits in seiner frühen Kindheit mit den Eltern nach Portugal ausgewandert.

Pepe dagegen ist ein Fußball-Migrant. Der 25-Jährige war vor sieben Jahren mit einem Freund aus Brasilien nach Madeira gezogen, um seine Profi-Karriere bei Maritimo Funchal zu starten. Während Ezequias mittlerweile in der portugiesischen Liga bei Leixoes, dem neuen Club von Ex-Ried-Torhüter Hans-Peter Berger, stürmt, schnürt Pepe die Schuhe für Real Madrid. “Es hat alles perfekt funktioniert”, lebt der Wahl-Portugiese seinen Traum.

Perfekt sei sie die Zusammenarbeit mit Carvalho allerdings noch nicht, betonte dieser. Immerhin hatte Pepe vor der EURO gerade einmal drei Länderspiele in den Beinen, war er doch erst im Vorsommer eingebürgert geworden. “Mit jedem gemeinsamen Spiel werden wir besser. Wir entwickeln uns und wir verstehen uns”, sagte Carvalho. Ob das beste oder nicht, das wird sich am Donnerstag im EM-Viertelfinale gegen Deutschland zeigen. Das teuerste Innenverteidiger-Duo der Welt sind die Beiden bereits in jedem Fall.

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