Polonium steckt in jeder Zigarette

Polonium ist nicht per se tödlich. "Die Dosis ist entscheidend", sagt Uwe Oeh vom Institut für Strahlenschutz am GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München.

Dass in Hamburg und Schleswig-Holstein Polonium 210 gefunden worden ist, sei nicht überraschend. In Spuren komme das Element in Nahrung, Trinkwasser und vor allem in Tabak vor. „Es ist aber bisher nicht mitgeteilt worden, um welche Mengen Polonium es sich handelt“, sagt Oeh. Im Körper könnten 0,1 Mikrogramm des Stoffes oder 20 Millionen Becquerel Strahlung tödlich wirken. Beim russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko soll die hundertfache Menge festgestellt worden sein.

In einer Zigarette stecken dagegen nur 0,02 Becquerel Strahlung, hat Oeh ausgerechnet. Mengenmäßig könne man das enthaltene Polonium kaum noch angeben. Die von der Bundesregierung eingesetzte Strahlenschutzkommission empfiehlt für Polonium 210 im Trinkwasser einen Grenzwert von 0,1 Becquerel pro Liter. Im menschlichen Körper befinden sich ständig und ganz natürlich rund 5000 Becquerel Strahlung.

Da Polonium eine sehr kurze Halbwertszeit von nur 138 Tagen hat, ist die einfachste Möglichkeit zur Dekontamination, Gegenstände einfach zu isolieren und liegen zu lassen. Zum Vergleich: Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren, Uran ist erst nach 4,47 Milliarden Jahren zur Hälfte zerfallen. „Polonium kann aber auch in Wasser oder Säure gelöst werden“, erklärt Oeh die zweite Möglichkeit. Dabei werden Personen oder Gegenstände abgewischt, abgespritzt oder abgeduscht.

Bis der Körper die Hälfte einer aufgenommenen Menge des Elements ausgeschieden hat, vergehen laut Oeh zwischen 30 und 50 Tage. Rund 90 Prozent des Poloniums lassen sich im Kot, kleine Mengen im Urin und sehr geringe Mengen im Schweiß feststellen. Nachgewiesen werden kann Polonium anhand der Alphastrahlung, die entsteht, wenn ein Atom des Stoffes zerfällt. Zur Messung gibt es spezielle Detektoren. „Es kann auch eine Wischprobe genommen werden, die dann mit einem speziellen Verfahren analysiert wird“, sagt Oeh.

In den Tabak kommt Polonium übrigens zum einen als Zerfallsprodukt des Edelgases Radon, das im Dünger stecken kann. „Die Pflanze nimmt aber auch über die Wurzeln natürliches Uran auf, dass in Blei 210 und dann in Polonium 210 zerfällt“, erklärt Oeh. „Studien zeigen, dass Raucher signifikant mehr Polonium in Blut, Urin und Haaren haben als Nichtraucher“, sagt Oeh. Früher sei der Stoff genutzt worden, um statische Aufladung zu beseitigen und Atombomben zu zünden. Heute werde er zur Stromerzeugung in Satelliten eingesetzt.

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