Polizei belagert mutmaßlichen Serienattentäter von Toulouse

Toulouse: Die Polizei belagert den mutmaßlichen Serienattentäter.
Toulouse: Die Polizei belagert den mutmaßlichen Serienattentäter. ©EPA
Schüsse schreckten die Bewohner des Viertels Cote Pavee im Osten von Toulouse gegen 03.00 Uhr in der Früh aus dem Schlaf.

“Ich habe sofort an den Serienmörder gedacht”, schildert der 55-jährige Roland seine Reaktion. “Es ist erschreckend, dass er nebenan war, vielleicht bin ich ihm sogar begegnet”, sagt die 24-jährige Julie Verdier. Der meistgesuchte Mann Frankreichs, der in den vergangenen Tagen wahrscheinlich kaltblütig sieben Menschen erschoss, soll Islamist mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida sein.

Polizei fand Spur im Internet

Die Polizei kam dem Serientäter, der mit einem Motorroller vom Tatort floh, am Dienstag unter anderem durch die Internetadresse seines Bruders auf die Spur, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Der Mann tauschte mit seinem ersten Opfer, einem Soldaten nordafrikanischer Abstammung, Mails aus. Der Täter antwortete auf eine Internetanzeige, in welcher der Fallschirmjäger sein Motorrad zum Verkauf anbot.

Täter über seinen Motorroller gefunden

Letztlich wurde dem Täter auch sein Yamaha-Motorroller T-Max 530 zum Verhängnis. Die Ermittler befragten alle Yamaha-Händler der Region und fanden einen, der von der verdächtigen Nachfrage eines Mannes berichtete. Dieser habe sich erkundigt, wie der Chip aus dem Motorroller entfernt werden könne, mit dem das Fahrzeug bei Diebstahl lokalisiert werden kann.

Täter meldet sich bei Journalistin

In der Nacht überschlugen sich dann die Ereignisse: Gegen ein Uhr nachts soll der Mann die Chefredakteurin des Nachrichtensenders France24 angerufen haben, um sich zu den Angriffen von Toulouse und Montauban zu bekennen. Elf Minuten lang habe der Mann Details seiner Taten geschildert, darunter die Zahl der abgefeuerten Kugeln und den Waffentyp.

Außerdem habe er sich als Mitglied des Terrornetzwerkes Al-Kaida bezeichnet und weitere Taten angekündigt, sagte die Journalistin, die sich sofort an die Polizei wandte. Der Anrufer gab auch an, dass er seine Angriffe gefilmt habe und demnächst veröffentlichen werde.

Täter feuerte auf die Polizei

Gegen 03.00 Uhr in den Morgenstunden des Mittwoch schlug die Polizei-Eliteeinheit Raid dann zu und umstellte das Haus Nummer 17 in der Rue du Sergent Vigne, in dem der 24-Jährige algerischer Abstammung wohnt. Der schwer bewaffnete Mann schoss durch die Tür auf die Polizisten und verletzte zwei leicht.

Nachdem Polizisten ebenfalls durch die Tür mit dem mutmaßlichen Täter gesprochen hatten, gab Innenminister Claide Gueant Einzelheiten bekannt: Der Mann habe sich mehrfach in Afghanistan und Pakistan aufgehalten. Er habe sich als Al-Kaida-Mitglied bezeichnet und nach eigenen Angaben mit seinen Angriffen palästinensische Kinder rächen wollen. Am Montag hatte der Serientäter vor der jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Religionslehrer erschossen.

Der mutmaßliche Täter, dessen Bruder festgenommen wurde, scheint nur schwer zugänglich zu sein. Die Polizei holte seine Mutter, damit sie ihren Sohn zur Aufgabe bewege. “Sie wollte nicht mit ihrem Sohn in Kontakt treten, da sie kaum noch Einfluss auf ihn habe”, sagte Gueant.

Polizei verhandelte stundenlang

Deshalb waren es dann die Polizeibeamten, die stundenlang mit dem 24-Jährigen verhandelten. Der Mann habe dabei ein “Kommunikationsmittel” verlangt und dafür eine Pistole aus dem Fenster geworfen, sagte Gueant. Er habe aber noch weitere Waffen, darunter eine Kalaschnikow.

Dem Innenminister war es bei der Aktion wichtig, dass die Polizei den Täter “lebend” ergreift: “Man muss die Verbindungen klären, die er zu anderen Personen haben könnte.” Der mutmaßliche Serien-Attentäter will laut Gueant am Nachmittag aufgeben und sich dann der Polizei stellen.

(APA)

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Polizei belagert mutmaßlichen Serienattentäter von Toulouse
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen