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"Politischer Islam? Der Islam hat nichts mit Politik zu tun"

Terrorismus-Experte Shams Ul Haq warnt seit Jahren vor extremistischen Gruppen.
Terrorismus-Experte Shams Ul Haq warnt seit Jahren vor extremistischen Gruppen. ©APA/AFP/JOE KLAMAR
Shams Ul Haq war monatelang in radikalen Moscheen in Österreich unterwegs und warnte bereits vor zwei Jahren vor möglichen Anschlägen. Nach dem Attentat in Wien fordert er erneut zu mehr Dialog auf.

In seinem 2018 erschienenen Buch geht Shams Ul Haq hart mit dem BVT, aber auch mit der IGGÖ (Islamischen Glaubensgesellschaft in Österreich) ins Gericht. Bereits vor Jahren warnte der gebürtige Pakistani vor extremistischen Zellen.

VIENNA.at: In Ihrem Buch „Eure Gesetze interessieren uns nicht“ behandelt ein Kapitel einen jungen Mann namens Hassan. Da gibt es viele Parallelen zu dem Wien-Attentäter. Ist das richtig?

Shams Ul Haq: Ja. Aber ich muss sagen, dass ich in meinem Buch extra die Namen geändert habe. Aber es ist die gleiche Art von Typ. Das sind immer junge Leute, die keine richtige Zukunft oder keine richtige Ausbildung oder soziale Probleme haben, die dann auch in die Hände der Islamisten gelangen oder in Hinterhof-Moscheen landen. Dort werden sie dann zum falschen Islam radikalisiert. Davor habe ich gewarnt.

Der Attentäter hat auch versucht, nach Syrien zu reisen. Wie werden solche Jugendlichen für den Dschihad angeworben?

Es sind meist junge Leute, die selber Probleme haben, die keine Ausbildung haben, die keine Chance haben, irgendwo Fuß zu fassen. Die kommen dann in eine radikale Moschee rein und dann werden gehirngewaschen. Manchmal weiß der Imam oder Vereinspräsident gar nicht, welche radikale Leute sich in der Moschee herumtreiben. Die Moscheen werden quasi dafür ausgenutzt, um die Leute zu radikalisieren. Ihnen werden Videos gezeigt. Das passiert nicht von heute auf morgen, das dauert sehr lange. Aber auch über Social Media wird radikalisiert – die Gefährder sitzen dabei oft in Gefängnissen und können trotzdem über Facebook Leute radikalisieren.

Die Politik geht jetzt hart gegen solche Moscheen vor.

Ja, aber warum erst jetzt? Ich habe schon 2018 vorgewarnt. Und das hat der BVT auch gewusst. Und das ist ja das Problem, dass die Verfassungsschützer in Österreich selber Probleme haben. Wie kann es sein, dass sich Islamisten aus Deutschland und der Schweiz in Wien treffen und der Verfassungsschutz weiß davon nichts? Die V-Männer, die der Verfassungsschutz beauftragt hat, um Informationen aus den Moscheen zu kriegen, sind quasi Doppelagenten. Sie geben Informationen vom Verfassungsschutz an die Islamisten weiter. Das habe ich auch in meinem Buch geschrieben.

Auf der anderen Seite muss ich den Verfassungsschutz auch ein bisschen schützen. BVT und LVT müssten viel mehr Leute kriegen, viel mehr Budget.

Die Politik kündigte nun verschärfte Maßnahmen an, wodurch das Leben von Gefährdern künftig schwerer gemacht werden soll.

Fußfessel für Gefährder und die Vereine genau kontrollieren - die Maßnahmen sind sehr gut. Aber die Frage ist, wird man damit auch mehr erreichen? Das ist doch eher Propaganda für die Islamisten, noch mehr Mitglieder zu gewinnen. Meine Meinung ist, dass man auch Islamisten zugehen muss. Man muss mit denen vielmehr Gespräche führen.

Dennoch warnt die Politik vor dem politischen Islam.

Aber das ist ja wieder der Punkt. Auch die Bezeichnung „politischer Islam“. Das sind und bleiben Islamisten. Nazis bleiben Nazis, Islamisten bleiben Islamisten, Terroristen bleiben Terroristen. Islam hat mit Politik nichts zu tun.

Vor zwei Jahren, als Sie Ihr Buch veröffentlicht haben, wollte die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich mit Ihnen reden. Was ist seitdem passiert?

Die haben mir gesagt, dass ich dort nicht richtig recherchiert habe. Das ist ihr Recht. Es gibt ja auch viele, viele Leute, die nicht der gleichen Meinung sind wie ich. Bei der IGGÖ gibt es auch friedliche Leute, die wirklich verstehen, was der wahre Islam ist. Aber es gibt auch schwarze Schafe. Ich habe immer wieder gesagt, dass die Muslimbrüder auch in dem Terrornetzwerk drin sind. Und der Verfassungsschutz hat das gewusst.

Gibt es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Anschlag in Wien, dem Anschlag in Frankreich und den dadurch entstandenen Unruhen in vielen muslimischen Ländern?

Das ist schon ein wichtiger Punkt. Die Karikatur vom Prophet Mohammed Prophet auch Auslöser. Der [Wien-Attentäter, Anmerkung] wurde dann nochmal richtig hochgepusht. Das war schon eine Gelegenheit für die Hintermänner, die dem jungen Mann die ganze Zeit das Gehirn gewaschen haben, zu sagen: "Ja, jetzt ist der Zeitpunkt, dass du was tun muss. Siehst du, was wir immer gesagt haben? Dass sie unseren Propheten Mohammed beleidigen. Und deswegen müssen die Kuffar [Ungläubige, Anmerkung] umgebracht werden." Aber die Tat wurde bereits vor längerer Zeit geplant.

Welche Rolle spielen da die Medien dabei?

Die Medien spielen natürlich auch eine Rolle. Über die Gegenseite, friedliche Menschen, friedliche Moscheen, darüber wird wenig berichtet. Es wird wenig über den Dialog zwischen Muslime und Nicht-Muslime berichtet. Das wäre eine wichtige Aufgabe der Medien. Auch die Menschen zeigen, die den friedlichen Islam sehen möchten. Aufzuklären.

Es wurde auch oft diskutiert, ob man den vollen Namen des Attentäters nennen oder schreiben soll wird. Wird der Attentäter so zu einer Art Märtyrer?

Ich meine, das ist Persönlichkeitsrecht. Da muss man sich an die Gesetzte des jeweiligen Staates halten. Aber dass er dadurch idealisiert wird, glaube ich nicht.

In Ihrem Buch schreiben Sie in einem Kapitel über die Rolle des Rassismus in der Gesellschaft. Ist das ein Faktor, der solche Jugendlichen in die Fänge von Radikalen treibt?

Natürlich, die Gesellschaft spielt eine große Rolle. Von solchen Anschlägen profitieren die rechten Parteien. Aber es ist wichtig, dass man auf solche junge Leute zugeht - egal ob linker oder rechter Terror, ob Islamisten oder Nazis. Wenn man über ihre Probleme redet, dann wird man auch einen Weg finden. Alle müssen zusammen an einem Tisch sitzen und reden - das wäre die Aufgabe der Politik.

Danke für das Gespräch.

Über Shams Ul Haq

Shams Ul Haq stammt aus Pakistan und kam Anfang der 90er-Jahre als 15-Jähriger als Flüchtling nach Deutschland. Er ist Journalist und Buchautor und war lange Zeit undercover in europäischen Moscheen unterwegs. Seine Erfahrungen dazu beschreibt er in seinem Buch "Eure Gesetze interessieren uns nicht".

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