Platini zieht Bilanz - und tippt auf Russland

Michael Platini hat schon vor dem zweiten EM-Halbfinale Russland - Spanien am Donnerstag in Wiener Happel-Stadion eine erste Bilanz gezogen.

Dabei hat er auch, ohne einen Namen zu nennen, den Nachfolger von Europameister Griechenland getippt. Auf die Frage, wer am Sonntag im Finale sein Favorit sei, antwortete der UEFA-Präsident im deutschen Fachmagazin “kicker” (Internet-Ausgabe): “Wer die Holländer so deutlich geschlagen hat, muss schon sehr gut Fußball spielen können.” Er meinte damit die Russen, die die Oranjes im Viertelfinale 3:1 besiegten.

Hier ein Auszug aus dem “kicker”-Interview: Wie hat Ihnen das bisherige EM-Tunier gefallen? Platini: “Ich kann in allen Beziehung nur von guter, sehr guter Qualität sprechen: die Organisation, die Infrastruktur, die Sicherheit, vor allem die Fans. Und natürlich waren die Spiele überaus interessant.”

Gab es für Sie überraschende Erkenntnisse? Platini: “Dass die Russen wesentlich frischer auftreten als all die anderen. Aber dies hatte ich schon als Spieler immer gespürt, dass sie bei einem solchen Turnier mehr Kräfte frei machen können, weil sie erst am Anfang ihrer Saison stehen, während die anderen nach Beendigung der Saison ausgelaugt sind. Das ergibt einen klaren Vorteil für die Russen.”

Kann man da gleiche Voraussetzungen schaffen? Platini: Wir müssen uns überlegen, ob wir die EM vielleicht an die Zeiten, wie sie in Europa normal sind, anpassen. Etwa im Vorfeld der neuen Saison, also im August. Und die Länder mit zahlenmäßig größeren Ligen sind natürlich auch benachteiligt. Aber das ist eine nationale Angelegenheit.”

Hat sie Etwas überrascht? Platini: “Ja, es gibt taktisch keinen wirklichen Zehner mehr, so wie ich ihn verkörpert habe. Deco mag die Ausnahme darstellen. Ansonsten verteilen sich die offensiven Mittelfeldspieler mehr auf feste Halbpositionen.”

Sehen sie taktisch neue Erkenntnisse? Platini: “Mir bedeutet die Taktik nicht so viel. Die Taktik soll sich nach der Qualität der Spieler richten und nicht umgekehrt. Egal, ob es dann mit einem 4-4-2 oder 3-5-2 oder gar 8-1-1 abläuft. Nicht der Trainer gewinnt, sondern die Spieler.”

Warum ist der Spielplan so angelegt, dass mann im Halbfinale auf den eigenen Gruppen-Gegner treffen kann? Platini: “Das war ein Wunsch er Trainer nach der EM 2004, dem wir letztlich nachgekommen sind. Begründet wurde der Wunsch damit, dass so kein Team durch eine wesentlich kürzere Pause als der Gegner benachteiligt werden kann.”

Wir die nächste EM mit mehr als 16 Mannschaften gespielt? Platini: “Am Samstag treffen wir uns zu einer ausführlichen Besprechung. Im September fällt die endgültige Entscheidung. Ich glaube, es wäre sicherlich gut für die Engländer.”

Wann fällt eine Entscheidung, ob Polen und die Ukraine wirklich die nächste EM 2012 ausrichten? Platini: “Wir sind mit einer Delegation am 2./3. Juli in den zwei Ländern und werden alles genau unter die Lupe nehmen. Im September werden wir dann die Entscheidung bekanntgeben. Im Übrigen ist es für uns kein Problem, ob wir einen oder zwei Ausrichter in der Zukunft haben. Die UEFA organisiert ohnehin die gesamte Abwicklung. Der Ausrichter muss die Voraussetzungen der Infrastruktur schaffen.”

Sind Sie für eine Neueinführung des Spiels um den dritten Platz wie bei der WM? Platini: “Nein, da sielen ja ohnehin nur Reservisten mit. Es macht höchstens Sinn, wenn der gastgeber dabei ist, wie vor zwei Jahren in Stuttgart, sonst interessiert sich doch kein Mensch für ein Spiel zweier Verlierer.”

Zur 6+5-Regel, Glauben Sie an die Umsetzung des FIFA-Vorstoßes bei der EU? Platini: “Niemals. Wir müssen lernen, mit den bestehenden Gesetzen zu leben. Ich weiß, dass dieser Vorstoß jetzt schon verloren ist.”

Es gibt immer mehr Abwerbeversuche schon bei Talenten im Kindesalter, kann die UEFA nicht ein Stoppzeichen setzen? Platini: “Wir werden dafür Regeln schaffen, dass auf internationaler Basis nicht mehr vor dem 18. Geburtstag gewechselt werden darf. Und wir plädieren sehr dafür, dass man die Talente auch wirklich spielen lässt. Sie müssen in ihrer Entwicklung geschützt werden.”

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