Phantom-Tour auf US-Flugzeugträger

Betrugsprozess in Wien: Ehemaliger Vizeleutnant versprach Hunderten Tour auf „USS Kitty Hawk“ -Besuch auf US-Flugzeugträger fand nie statt - Ein Jahr unbedingte Haft

Weil ihm die einstigen Kameraden des Bundesheers in einer finanziellen Notlage hängen ließ, dachte sich ein 57-jähriger ehemaliger Vizeleutnant der Reserve eine ungewöhnliche Methode zur Geldbeschaffung aus. Mit dem Versprechen, er werde einen dreitägigen, gewiss unvergesslichen Besuch auf dem bekannten Flugzeugträger „USS Kitty Hawk“ organisieren, gelang es Manfred R., 760 Personen – Angehörige des Militärs – zur Zahlung von insgesamt knapp 230.000 Euro zu veranlassen. Am Freitag musste sich R. wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges am Wiener Landesgericht verantworten.


R. wurde von dem Schöffengericht (Vorsitz: Patrizia Kobinger) zu drei Jahren, davon ein Jahr unbedingt, verurteilt. Der Angeklagte nahm die Richterspruch an, Staatsanwältin Susanne Waidecker verzichtete auf Rechtsmittel. Das Urteil ist daher rechtskräftig.

“Hauptmann von Köenick is a Schas dagegen”


Der Angeklagte wurde vor Beginn des Prozesses von den Geschädigten, die bei Gericht als Privatbeteiligte auftraten, nicht gerade herzlich begrüßt. Nur wenige lachten, als R. zum Verhandlungssaal schritt. „Der Hund, der“ und „Der Hauptmann von Köpenick is a Schas dagegen“ waren noch die freundlichsten Anreden.


Mit seiner Karriere als Gastwirt war der 57-Jährige gescheitert. Zu viele seiner Stammgäste, die sich vor allem aus Angehörigen des Bundesheers zusammensetzten, hatten sich immer wieder von ihm einladen zu lassen. „Die Offiziere und ihre Sekretärinnen waren wohlfeile Gäste in meinem Betrieb, aber geholfen haben sie mir nicht“, erklärte der Beschuldigte. Da beschloss er, mit dem groß angelegten Schwindel das verloren gegangene Geld zurück zu holen.


Er gründete den Milizstammtisch „In Treue Fest“, dem in Wahrheit nur er selbst angehörte. Diesen gab er als Veranstalter des Trips zur „Kitty Hawk“ aus. Sofort waren Interessenten zur Stelle, darunter hochrangige Militärs aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Auch der Tiroler Kaiserjägerbund wollte unbedingt dabei sein. Zuerst sollte es mit einem Flugzeug nach Italien und von dort per Hubschrauber weiter zum Flugzeugträger gehen. Bis zu 330 Euro verlangte R. für die Reise.


Manfred R. zog den Betrug „sehr professionell“ auf, wie Richterin Kobinger bemerkte. So ersuchte er etwa um Bekanntgabe der Maße für eine zu tragende Spezialkleidung. Er betonte, er wäre „sehr gut“ mit einem Admiral der US-Navy. Als sich die Reise immer mehr verzögerte, verschickte er im Namen von „In Treue Fest“ – Sitz war übrigens ein Wiener Stundenhotel – Entschuldigungsschreiben, in denen er dafür die Irak- bzw. Liberia-Krise verantwortlich machte.

“Mein Komplize George W. Bush!


Als jedoch sein „Komplize Präsident George Bush“ – wie ihn R. vor Gericht nannte – den Frieden ausrief, wurde es für den 57-Jährigen eng. Zunächst hoffte er noch auf einen Lottogewinn, spielte er doch um bis zu 1.500 Euro in der Woche, sagte R. unter lautem Gelächter im Gerichtssaal aus. Danach packte er all seine Unterlagen zusammen und stellte sich der Polizei.


In der Urteilsbegründung wurde neben der außergewöhnlich guten Kooperation mit der Polizei seine bisherige Unbescholtenheit mildernd bewertet. Erschwerend waren die Vielzahl der Fakten und die Tatwiederholung. Vom Bundesheer wurde er jetzt entlassen.

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