"Pferdewindel" oder Kehrmaschine

"Pooh-Bags" fingen auch nach Adaptierung nur 50 Prozent des Mistes auf
"Pooh-Bags" fingen auch nach Adaptierung nur 50 Prozent des Mistes auf ©APA/HERBERT PFARRHOFER, Symbolbild
Ob Salzburgs Fiakerpferde in Zukunft Windeln tragen, um Straßen und Passanten vor Mist und Gestank zu schützen, ist weiterhin ungewiss.

Nach einer zweimonatigen Testphase und Adaptierung der “Pooh-Bags” schrieb Fiaker-Sprecher Franz Winter in einem Zwischenbericht an die ressortzuständige Stadträtin Claudia Schmidt (V): “50 Prozent des Mistes liegt wieder auf der Straße, der Urin konnte so gut wie gar nicht aufgefangen werden.” Im Dezember wird deshalb ein neues Windelsystem aus Tirol und im Frühjahr eine neue Kehrmaschine getestet. Eine Entscheidung wird voraussichtlich im Frühling getroffen.

“Wir sind ja bemüht, die Causa Pferdemist zu beenden”, betonte Winter im APA-Gespräch. Doch das Wiener Modell, das jetzt auch die Pferde von drei Salzburger Kutschen getragen haben, eigne sich nicht. Die Bags würden auch die Hinterbeine der Tiere abschürfen, einige Pferde ließen sich die Windeln gar nicht umhängen. Wenn eine Stute in den acht bis zehn Liter fassenden Sack strahlt, schwappe bei der nächsten Bewegung alles wieder heraus. “Das Problem ist, dass wir das ganze Mist-Urin-Gemisch durch die Stadt ziehen.”

Durch Schweifschlagen würde der Mist auf die Pferde, die Kutsche und die Gäste verteilt. “In Wien gingen auch schon die Tierschützer auf die Barrikaden, weil sich der Schweif durch das Wetzen an den ‘Pooh-Bags’ um 30 Zentimeter abgestumpft hat.” Ende November kommt ein neues Modell “mit höherer Auffangquote” auf den Markt. Das Produkt hat ein Kutschenfahrer aus Tirol entwickelt, er muss es nur noch beim Patentamt anmelden.

Diese Neuheit wollen die Salzburger Fiaker ebenso testen wie eine Kehrmaschine aus Spanien. Während die Bürsten an der Front die Pferdeäpfel aufkehren, spült die rund 20 Zentimeter dahinterliegende Düse den Restmist und den Urin weg. Winter forciert zwecks Lärmreduzierung eine Maschine mit Elektroantrieb. Zu prüfen sei, wie lange die Energie hält. Offen ist, ob die Fiaker den rund 100.000 Euro hohen Kaufpreis zur Gänze aufbringen müssten.

“Aus unserer Sicht würde jedenfalls die Reinigungsmaschine die beste Lösung sein”, signalisierte Bau-Stadträtin Schmidt Zustimmung, falls die neue Pferdewindel keine massive Verbesserung bringt. Sie lobte die “sehr konstruktive Gesprächsbasis” mit den Fiakern, die sichtlich bemüht seien, den mechanischen und chemischen Angriff auf die Straßenbeläge und die Geruchsbelästigung nachhaltig in den Griff zu bekommen. Die Fiaker hätten bereits auf die Kornstollen an den Hufbeschlägen verzichtet, was eine erhebliche Verbesserung darstelle, denn die Titanstifte hätten jährlich 100.000 Euro Schaden verursacht. Das Bauressort wartet nun gespannt auf den “Probebetrieb” im Jänner mit neuen Kunststoffeisen, die ab Dezember im Handel erhältlich sind. Die herkömmlichen Produkte eigneten sich nicht für den Asphaltboden, sie hätten bei den Pferden Gelenksentzündungen hervorgerufen, schilderte der Salzburger Fiaker-Sprecher.

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