"Pestizidatlas 2022": 80 Prozent mehr Pestizide eingesetzt

Die Veröffentlichung des "Pestizidatlas" erfolgte am Mittwoch.
Die Veröffentlichung des "Pestizidatlas" erfolgte am Mittwoch. ©APA/HELMUT FOHRINGER (Symbolbild)
Am Mittwoch wurde der "Pestizidatlas - Daten und Fakten zu Giften in der Landwirtschaft 2022" veröffentlicht. Er ist mehr als 50 Seiten stark und setzt sich mit dem Themenfeld der Pflanzenschutzmittel auseinander.
Schlafzimmer-Pestizide

Ergänzt wird der Atlas durch einen Podcast. Unter anderem berichtet er von Exporten von in der EU verbotener Pestizide nach Südamerika und Afrika, der insgesamt stetig steigenden Menge der verwendete Mittel und einem möglichen Glyphosat-Comeback in der EU.

Wer den "Pestizidatlas" erstellt hat

Erstellt wurde der "Pestizidatlas" gemeinsam von der NGO Global 2000, der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) und enthält einiges an Zahlen, Daten und Fakten zu Folgen und möglichen unerwünschten Nebenwirkungen. 80 Prozent - um so viel ist etwa laut "Pestizidatlas 2022" die Menge weltweit eingesetzter Pestizide seit 1990 gestiegen - und in einigen Regionen wie Südamerika sogar um über 140 Prozent. 3.800 Tonnen wiegen Exporte der in der EU verbotenen, "hoch bienengefährlichen Insektizide" Thiamethoxam, Imidacloprid und Clothianidin in Drittstaaten, wie etwa Kenia und Brasilien, laut Angaben von Bayer und Syngenta im vierten Quartal 2020. Oder 1.000 Kilometer wird als jene Entfernung genannt, bis zu der sich woanders ausgebrachte Pestizide an Luftmessstellen nachweisen lassen.

In der EU liege der Pestizid-Einsatz bei rund 480.000 Tonnen, das wären fast zwei Drittel der Menge, die in ganz Südamerika verwendet werden, obwohl die EU lediglich ein Viertel der Fläche bewirtschafte. Und nachdem der Atlas wie im Vorjahr auch wieder eine Österreich-Ausgabe bekommen hat, erfahren Lesende, dass im Jahr 2020 hier 13.395 Tonnen an Pestiziden ausgebracht wurden. Diese Menge sollte nach Einschätzung der Mitherausgeber Global 2000 möglichst rasch sinken. "Das Artensterben, das auch unser Land betrifft, ist mittlerweile dramatisch und kann nur gestoppt werden, wenn der Einsatz von Ackergiften deutlich reduziert wird. Das gilt für Österreich genauso wie weltweit", fordert Dagmar Gordon, die das Pestizid-Reduktionsprogramm bei der Umweltorganisation leitet.

"Pestizidatlas" mit Argumenten

Argumente zur Reduktion der Pflanzenschutzmittel liefert der "Pestizidatlas" in großem Umfang. Eine fatale Wirkung habe ihr Einsatz auf die biologische Vielfalt: Nur drei Prozent der floristischen Artenvielfalt würden sich demnach auf konventionell bewirtschafteten Äckern im Vergleich zu jenen Flächen finden, die noch nie mit Pestiziden behandelt wurden. Auf biologisch bewirtschafteten Äckern liege die Vielfalt mit 53 Prozent erheblich höher. Nachdem die globale Menge an eingesetzten Pestiziden aber weiter zunehme, führe dies weltweit zu einem Anstieg an Pestizidvergiftungen - insbesondere im Globalen Süden, wo ein ausreichender Schutz der Arbeiter und Arbeiterinnen oft Mangelware sei. So sei konservativen Berechnungen zufolge in Asien von jährlich rund 255 Millionen Vergiftungsunfällen auszugehen, in Afrika von knapp über 100 Millionen und in Europa "nur" von rund 1,6 Millionen.

Global 2000-Umweltchemiker wirkte an "Pestizidatlas" mit

Einer der Autoren des "Pestzidatlas" ist der Global 2000-Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden und er berichtet im Kapitel "Copy & Paste" darüber, wie Bayer und andere Unternehmen dafür kämpfen, dass das umstrittene Pestizid Glyphosat in der EU wieder zugelassen wird. Die "Kontroverse" steuere demnach bis Jahresende auf ihr Finale zu, denn bis dann muss die EU über das weitere Schicksal des von der zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörenden Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuften Herbizids entscheiden. "Sollte die Verwendung von Glyphosat nicht untersagt werden, wird es auch weiterhin ab 2023 im Rahmen von ÖPUL einsetzbar sein, warnte Global 2000 abschließend. Bei OPÜL handelt es sich um das österreichische Programm für eine umweltgerechte Landwirtschaft.

(APA/Red)

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