Perspektivenwechsel: Wiener Auto-Fahrlehrer am Steuer einer Straßenbahn

Um Auto-Fahrlehrern ein besseres Verständnis für die öffentlichen Verkehrsteilnehmer zu übermitteln, durften sie ans Bim-Steuer.
Um Auto-Fahrlehrern ein besseres Verständnis für die öffentlichen Verkehrsteilnehmer zu übermitteln, durften sie ans Bim-Steuer. ©Wiener Linien/Johannes Zinner (Sujet)
Die Wiener Linien ermöglichen Auto-Fahrlehrern in regelmäßigen Abständen, das Steuer einer Straßenbahn zu übernehmen, um zu erkennen, wie es sich anfühlt, ein 35 Meter langes Fahrzeug durch die Stadt zu fahren, das in brenzligen Situationen keinen einzigen Zentimeter ausweichen kann. Der Perspektivenwechsel soll ein besseres Verständnis für den Straßenverkehr schaffen.

Dank einer schon seit Jahren laufenden Kooperation der Wiener Linien und der Wirtschaftskammer können sich an vier Terminen pro Jahr je vier angehende Fahrlehrer freiwillig als Bim-Chauffeur versuchen. Am Dienstag fand nun der erste Termin dieses Jahres statt, zu dem auch Medienvertreter eingeladen waren. “Mit der Straßenbahn habe ich ein ganz anderes Fahrverhalten als im Auto”, sagte Herbert Wiedermann, Vorsitzender der Berufsgruppe Fahrschulen in der Wirtschaftskammer, im APA-Gespräch.

Fahrlehrer am Bim-Steuer: Verständnis für Wiener Öffi-Verkehrsteilnehmer

Das wichtigste sei, dass eine Straßenbahn nicht ausweichen könne und aufgrund ihrer Masse einen deutlich längeren Bremsweg habe, erklärte Wiedermann. “Das ist wie ein riesiger Truck”, ergänzte Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer: “Aber wenn es einmal eng wird, kann ich – anders als mit dem Bus – nicht einfach 20 Zentimeter auf die Seite fahren.”

Indem die Fahrlehrer gewissermaßen am eigenen Leib spüren, wie es ist, sich mit einem schienengebundenen Koloss durch den Stadtverkehr zu winden, sollen sie ihren eigenen Fahrschülern bessere Rücksichtnahme vermitteln. “Durch den längeren Bremsweg ist es nicht gut, wenn man knapp vor der Straßenbahn abrupt bremst oder die Spur wechselt”, lautet ein Hinweis von Wiedermann. Durch die Länge des Fahrzeugs sei auch der tote Winkel anders und es sei schwerer, die Übersicht etwa über Fußgänger zu behalten. Das zu wissen, könne im Straßenverkehr zu einem besseren Verständnis und damit zu weniger Konflikten führen.

Wie es sich für Fahrlehrer-Neulinge tatsächlich anfühlt, einmal das Lenkrad gegen einen Steuerknüppel zu tauschen, war für die anwesenden Medienvertreter allerdings schwer herauszufinden. Denn von den vier angemeldeten Interessenten, die eine Runde mit einer Niederflur-Bim drehen sollten, war kein einziger erschienen.

(APA/Red)

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