Periferic

Kraftvolles, unsentimentales Drama des rumänischen Regisseurs Bogdan George Apetri. Kinostart am 20. Mai.
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24 Stunden Gefängnisfreigang wurden Matilda gewährt. 24 Stunden, in der sie mit ihrer Vergangenheit abschließen und ein neues Leben beginnen will. Die bewegende rumänisch-österreichische Koproduktion “Periferic” wurde bei der Viennale wie auch bei den Filmfestivals in Toronto, Sarajevo und Locarno gezeigt. Bei letzterem wurde die Hauptdarstellerin Ana Ularu mit dem Preis der Schweizer Filmkritik als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ohne viele Worte, dafür mit ungeheurer Intensität und Sensibilität, schafft es die 25-Jährige, das Innenleben und Schicksal ihrer undurchschaubaren Figur greifbar zu machen.

Mehr als zwei Jahre sitzt Matilda schon im Gefängnis, drei Jahre hat sie noch vor sich. Für die Beerdigung ihrer Mutter wird ihr ein Tag Freigang gewährt, doch dabei soll es nicht bleiben. Ihr Entschluss: Über die Grenze und mit dem Schiff in ein besseres Leben. Doch davor muss sie sich mit Menschen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Von ihrem Bruder Andrei (Andi Vasluianu) will sie nicht nur eine Mitfahrgelegenheit zur Beerdigung, sondern vor allem Verständnis. Das wird ihr jedoch weder von ihm noch von dem Rest ihrer Familie entgegengebracht, die sie wie eine nestverschmutzende Außenseiterin beäugen.

Nicht Verständnis, sondern Geld erwartet sich Matilda von ihrem ehemaligen Liebhaber Paul (Mimi Branescu), mit dem sie noch eine Rechnung offen hat. Der aggressive, kühle Umgang zwischen den beiden lässt nur erahnen, in welchem Abhängigkeitsverhältnis Matilda einst zu ihm stand. Der letzte und wichtigste Weg vor der Flucht führt sie jedoch zum achtjährigen Toma (Timotei Duma) – ihrem Sohn, ebenso zerbrochen, verzweifelt und einsam wie seine Mutter.

Langsam und schrittweise erfahren wir im Laufe des Films mehr über Matilda. Ausgesprochen und direkt geklärt wird dabei nichts. Allein dadurch, wie Matildas Umfeld auf sie reagiert, und wie sie mit den Menschen um sich herum agiert, kann der Kinozuseher Schlüsse auf das Schicksal dieser jungen Frau ziehen. Die Hoffnung liegt weit über dem Ozean, ihr derzeitiger Platz am ärmlichen Stadtrand, am Rand der Gesellschaft. “Periferic” zeigt gänzlich unsentimental, ohne Kitsch oder überzogene Gefühle, das triste Leben, Umfeld und Innenleben einer kühlen Protagonistin, die sich ein besseres Leben erhofft – auch für ihren Sohn.

Apetris Film ist eine beeindruckende Momentaufnahme, ein kühler und zugleich kraftvoller Film, in dem der Zuschauer nicht nur Mitleid, sondern zeitweise auch Abneigung, Unverständnis und Wut empfinden wird. In Kapitel eingeteilt, begleiten wir Matilda zu den Männern in ihrem Leben: Andrei um 4 Uhr morgens, Paul um ein Uhr mittags, Toma um 4 Uhr nachmittags. Ana Ularu liefert eine herausragende Darstellung einer gebrochenen, verbitterten Frau ab, die scheinbar alles verloren hat und ihr Leben selbst in die Hand nimmt, um Verlorenes zurückzugewinnen. Ergänzt wird sie durch starke Nebendarsteller. Allen voran der junge Toma ist eine Bereicherung für den traurigen und zugleich unsentimentalen Film. (Angelika Prawda/APA – VOL Redaktion)

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