Peking will Zhao nicht posthum würdigen

Die chinesische Regierung plant offenbar keinerlei Würdigung des verstorbenen Exparteichefs Zhao Ziyang. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte am Dienstag:

Die Absetzung Zhaos nach dem Tiananmen-Massaker 1989 sei die richtige Entscheidung gewesen. Zhao war damals wegen Sympathien für die Demokratiebewegung entmachtet worden. Er habe versucht, „die Partei zu spalten“, sagte Ministeriumssprecher Kong Quan. Ein Staatsbegräbnis sei seinem Kenntnisstand zufolge nicht vorgesehen.

Zhao, der während der vergangenen 15 Jahre unter Hausarrest stand, war am Montag im Alter von 85 Jahren in einem Pekinger Krankenhaus gestorben. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua gab seinen Tod in einer zweizeiligen Meldung bekannt, bat Rundfunkredaktionen aber später, diese nicht zu verwenden. Die staatlichen Medien meldeten Zhaos Tod am Dienstag nur kurz. Die Parteizeitung „Renmin Ribao“ versteckte die Meldung in einem Satz auf der letzten Seite ihres ersten Teils, über der Wetterkarte. Fernsehen und Hörfunk erwähnten den Verstorbenen mit keinem Wort.

Im öffentlichen Internet-Forum von „Renmin Ribao“ brachten jedoch mehrere Leser ihre Sympathie für Zhao zum Ausdruck. „Das Volk wird dich immer im Gedächtnis behalten“, schrieb ein Teilnehmer des Forums, in dem persönliche Kommentare anonym verbreitet werden können. Ein anderer beklagte, dass es keine Möglichkeit gebe, den Verstorbenen zu betrauern. Die Beiträge wurden nach kurzer Zeit gelöscht.

Zhao sei „in illegalem Hausarrest“ gestorben, erklärte sein früherer Sekretär Bao Tong in einer Stellungnahme, die das in den USA ansässige Radio Free Asia verbreitete. „Zhao zu betrauern heißt, die Menschenrechte zu verteidigen“, sagte Bao. „Zhao zu betrauern heißt, nach Demokratie und Rechtstaatlichkeit zu streben.“

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