Peking: Weihnachtsmette kostet heuer Eintritt

Wer an der Christmette der "patriotischen" Katholiken in der Pekinger Südkathedrale (Nantang) teilnehmen will, muss in diesem Jahr 50 Yuan (umgerechnet etwa fünf Euro) als "Mindestspende" zahlen.

Die Kirchgänger erhalten dafür, wie Kathpress am Montag berichtete, eine Eintrittskarte mit Namen und Telefonnummer. Dies berichtete der Missionspressedienst „AsiaNews“ am Montag unter Berufung auf chinesische Kirchenquellen.

Die Südkathedrale ist der Sitz des „patriotischen“ Pekinger Bischofs Michael Fu Tieshan. Verantwortliche der „Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung“ (von den kommunistischen chinesischen Behörden zugelassen und nicht Rom-treu) rechtfertigten ihre umstrittene Maßnahme. Wie „AsiaNews“ berichtete, argumentierten sie mit „Erfordernissen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“.

Unter den Gläubigen hat die Eintrittsgebühr Erbitterung ausgelöst. Es wird darauf verwiesen, dass viele ältere Katholiken, die schon in Pension sind, von einem Monatseinkommen in Höhe von 300 bis 400 Yuan leben müssen. Vor allem Bischof Fu steht im Zentrum der Kritik. Viele Gläubige werfen ihm vor, die Diözese Peking in ein kommerzielles Unternehmen zu seinem Vorteil umwandeln zu wollen. Ironisch wird die Diözese bereits „Fu dian“ (das Geschäft des Msgr. Fu) genannt.

Ähnliche Eintrittskarten für die Weihnachtsmessen hatte es in China bereits in den vergangenen Jahren gegeben. Sie waren jedoch stets kostenlos, durften aber nur an Katholiken ausgegeben werden. Außer den Katholiken besuchen in China zu Weihnachten aber auch viele Nichtchristen die katholischen Gottesdienste.

Daher wird in Kirchenkreisen vermutet, dass die Eintrittsgebühr für die Christmette in der berühmten Kathedrale – die über dem Haus des großen Chinamissionars aus dem Jesuitenorden, Pater Matteo Ricci, steht – auch dazu dienen soll, junge Leute vom Besuch des Gottesdienstes abzuhalten. Wie „AsiaNews“ berichtet, haben bei einer Umfrage 65 Prozent der Universitätsstudenten Interesse am Christentum bekundet. Viele von ihnen wollen zu Weihnachten bei den Mitternachtsmetten mehr über den christlichen Glauben erfahren.

Die „Katholische Patriotische Vereinigung“ wählt ihre Bischöfe selbst und darf keine Beziehungen zum Vatikan unterhalten. Die Rom-treue Untergrundkirche wird als „subversive Organisation“ verfolgt. Mehrere Bischöfe und zahlreiche Priester befinden sich in Arbeitslagern. Sie werden von den kommunistischen Behörden als „vom Ausland gesteuerte feindliche Elemente“ eingestuft. Der „patriotische“ Klerus war 1957 von Papst Pius XII. als „schismatisch“ exkommuniziert worden. 1999 stimmte der Vatikan aber erstmals einer „patriotischen“ Bischofsweihe zu.

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