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Patrone für Anwalt: Unternehmer wegen Erpressung in Wien vor Gericht

Prozess nach Zusendung einer Patrone an einen Anwalt
Prozess nach Zusendung einer Patrone an einen Anwalt ©APA (Sujet)
Ein 41-jähriger Wiener Unternehmer ließ seinem langjährigen Anwalt ein Kuvert zukommen, in dem sich eine Patrone sowie die schriftliche Aufforderung fand, ihm umgehend 250.000 Euro zu bezahlen. Andernfalls werde man ihn "aus der Kanzlei tragen". Der Absender stand nun in Wien vor Gericht.

Am Mittwoch hatte sich ein 41-jähriger Unternehmer im Wiener Straflandesgericht zu verantworten. Der Vorwurf: versuchte schwere Erpressung gegenüber seinem Anwalt.

Anwalt: “Ich hatte Todesangst”

Der betroffene Anwalt versicherte im Zeugenstand, er habe sich sehr gefürchtet: “Ich hatte Todesangst.” Er habe den Angeklagten, der eine Baufirma betrieb, seit 2006 vertreten. Er könne sich nicht erklären, wie dieser auf die Idee komme, er sei Schuld am Konkurs des Unternehmens, das 2010 in die Insolvenz geschlittert war.

Unternehmer hatte 15 Mio Euro verloren

“Ich war wirklich verzweifelt. Ich habe zwei Jahre um mein Geld gekämpft. Ich habe 15 Millionen Euro verloren”, rechtfertigte der gescheiterte Firmen-Chef die inkriminierte Tathandlung. Der Anwalt sei schuld daran, “dass meine Existenz komplett geschädigt ist”.

Zum einen habe der Jurist über 600.000 Euro, die er für die Firma treuhändisch übernommen hatte, unrechtmäßigerweise nicht ausbezahlt und damit die Pleite des Betriebs verursacht. Zum anderen habe er 250.000 Euro, die er ihm in mehreren Raten für den privaten Ankauf einer Wohnung in Wien-Meidling überlassen hatte, nicht zurückgegeben, als der Erwerb nicht zustande kam.

Polizei-Großeinsatz bei Kuvert-Übergabe

Die Viertelmillion habe er zurückhaben wollen. Daher habe er einem jungen Freund – der 21-Jährige fand sich nun als Mittäter auf der Anklagebank wieder – das Kuvert mit der Rückzahlungsaufforderung in die Hand gedrückt und damit in die Kanzlei geschickt.

Der Auftritt des jungen Burschen löste am 24. Juli 2013 einen Großeinsatz der Polizei aus. Nachdem der Anwalt die Patrone entdeckt hatte, gab er vor, dringend auf die Toilette zu müssen. Statt zum WC ging er zum nächsten Telefonapparat. Der 21-Jährige wurde noch in der Kanzlei verhaftet, der in die Pleite geschlitterte Firmenchef stellte sich nach ein paar Tagen der Polizei, wobei er bis dahin den Anwalt noch mit mehreren bedrohlichen SMS bedacht hatte.

Eineinhalb Jahre unbedingt für Firmen-Besitzer

Der unzufriedene Firmen-Chef, der seinem langjährigen Rechtsvertreter in einem Kuvert eine Patrone samt einer Zahlungsaufforderung über 250.000 Euro zukommen hatte lassen, ist am Mittwochnachmittag im Wiener Straflandesgericht wegen schwerer Nötigung zu eineinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Verteidiger Rudolf Mayer war damit einverstanden, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Überbringer der Patrone freigesprochen

Der 21-jährige Bursch, der dem Anwalt das Kuvert in seiner Kanzlei überreicht hatte, wurde freigesprochen. Ihm schenkte der Schöffensenat (Vorsitz: Herwig Handsur) Glauben, nichts vom Inhalt des Kuverts gewusst, sondern nur auf Ersuchen seines älteren Freundes gehandelt zu haben. Der 41-jährige Firmen-Chef hatte versichert, er habe den Überbringer der Drohbotschaft nicht eingeweiht.

(apa/red)

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