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Patienten als arbeitsunfähig bescheinigt: Psychiater in Wien vor Gericht

Der Psychiater und neun angebliche Patienten müssen sich vor Gericht verantworten.
Der Psychiater und neun angebliche Patienten müssen sich vor Gericht verantworten. ©APA (Sujet)
Ein renommierter Psychiater muss sich in Wien vor Gericht wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Er hatte neun seiner Patienten mittels gefälschter Befunde eine Arbeitsunfähigkeit attestiert, der dadurch entstandene Schaden beträgt knapp eine Million Euro.

Am Montag startet im Wiener Straflandesgericht ein Prozess gegen einen renommierten Psychiater, der neun vermeintlichen Patienten mittels gefälschter Befunden Arbeits- und Berufsunfähigkeit bescheinigte. Dadurch kassierten die Männer und Frauen über zehn Jahre lang ungerechtfertigterweise Pensionsgelder und verursachten somit einen Schaden in der Höhe von fast einer Million Euro.

Gefälschte Befunde bescheinigten Arbeitsunfähigkeit: Prozess in Wien

Der Prozess gegen den Wiener Arzt und die mitangeklagten Patienten, denen allesamt schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen wird, ist für drei Tage anberaumt. Im Fall einer Verurteilung droht den Beschuldigten – die meisten von ihnen sind unbescholten – bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Ein Urteil soll am Freitag erfolgen.

2007 soll der 69-jährige Mediziner laut Staatsanwaltschaft mit den Machenschaften begonnen haben, indem er für die sechs Männer und die drei Frauen im Alter von 52 bis 67 Jahren gefälschte Befunde vorgelegt hatte, in denen unrichtigerweise die Arbeits- und Berufsunfähigkeit wegen einer angeblichen schweren psychischen Erkrankung attestiert wurde. Dazu nahm der Psychiater die Betroffenen vorübergehend aus “schwerwiegenden Gründen” in dem Spital, in dem der Mediziner arbeitete, stationär auf. Bereits am nächsten Tag wurde die Arbeitsunfähigkeit diagnostiziert und die Patienten wieder entlassen.

Angeklagter attestierte neun Patienten schwere psychische Erkrankungen

Mit dem Attest beantragten die Patienten bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) und im Falle eines negativen Bescheids vor dem Arbeits- und Sozialgericht wiederholt Invaliditätspensionen, Ausgleichszulagen sowie Pflegegeld. Mit der Vorgehensweise wurden die PVA sowie die Richter im arbeits- und sozialgerichtlichen Verfahren betrogen, führte die Staatsanwaltschaft aus. Der Schaden, der der PVA entstanden ist, beläuft sich laut Anklage auf 957.854,16 Euro.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die angeblichen Kranken allesamt gesund waren, wie die Begutachtung eines psychiatrischen Sachverständigen ergab. Zwar hatte der eine oder andere leichte depressive Verstimmungen, doch waren sie allesamt “geistig und körperlich im hohen Maße fit”, wie der Gerichtspsychiater Peter Hofmann laut Anklage feststellte. In einem Fall sprach er sogar von Aggravierung der Symptome bzw. Simulation. Denn wenn der Befund des beschuldigten Psychiaters gestimmt hätte, wäre der Beschuldigte nicht in der Lage gewesen, solche Telefonate zu führen, wie sie in der Telefonüberwachung aufgezeichnet wurden. Ein weiterer Beschuldigter simulierte bei der Einvernahme, indem er zum Schein ständig einschlief.

Betrugsfälle im Jahr 2016 aufgeflogen

Die angeblichen Patienten – österreichische und serbische Staatsbürger, allesamt miteinander verwandt, verschwägert oder sehr gut bekannt – lernten den Mediziner über den Hausmeister des Krankenhauses kennen. Dessen Ehefrau dürfte die Erste gewesen sein, für die der Psychiater einen gefälschten Befund ausgestellt hatte. Die Vorgehensweise ging bis ins Jahr 2016 gut, ehe der Betrug aufflog.

(APA/Red)

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