Party zu Friedrich Guldas 75er

Friedrich Gulda &copy APA
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Friedrich Guldas 75er wird mit „Birthday Party“ gefeiert - 2000 gestorbener Grenzgänger und Ausnahmepianist wurde vor 75 Jahren geboren - Ausstellung im Theatermuseum ab Dezember.

„Eigentlich wohne ich mit Mozart auf einer rosa Wolke und spiele mit größtem himmlischen Vergnügen vierhändig mit ihm“, sagte der im Jahr 2000 verstorbene österreichische Ausnahmepianist Friedrich Gulda einmal über sich. Der Grenzgänger und Exzentriker, der als einer der ganz großen Pianisten des 20. Jahrhunderts gilt und sich im Verlauf seiner illustren Karriere um die Zwänge des Musikbetriebs immer weniger scherte, wurde am 16. Mai 1930, vor 75 Jahren, geboren.

„Gulda Birthday Party“

Das Dreiviertel-Jahrhundert Gulda wird am 14. Mai (19.30 Uhr) im ORF-RadioKulturhaus in Wien mit einer „Gulda Birthday Party“ gefeiert. Mit dabei sind u. a. der Geigenvirtuose Benjamin Schmid, Gulda-Schüler Roland Batik, der Motettenchor Wien und das Ensemble die reihe. Dabei werden Guldas „Concertino for Players and Singers“ und Guldas einziges Violinkonzert „Wings“ zu hören sein. Ab 5. Dezember (bis 26. März 2006) zeigt das Wiener Theatermuseum eine große Gulda-Schau, die anlässlich des Mozartjahres den Mozart-Interpreten Gulda würdigt.

Gulda starb 69-jährig in Weißenbach am Attersee – am 27. Jänner 2000, dem 244. Geburtstag Mozarts. Mit Interpretationen des nächstjährigen Großjubilars fesselte Gulda zu Lebzeiten ebenso wie als genialer Beethoven- und Bachspieler und Jazzmusiker. Zuletzt entdeckte der von vielen verehrte Grenzverletzer auch noch den Techno für sich und bildete sich in den Discos von Ibiza weiter – ein Schritt, in dem ihm die Musikkritik und auch das Publikum nicht mehr folgen wollten. Zu ersteren hegte Gulda, der sich jedweden Nachruf von zahlreichen österreichischen und deutschen Medien verbat, ohnedies ein dauerhaft angespanntes Verhältnis. „Diese vernagelten Klassik-Trottel also haben in ihrem Kopf eine undurchdringliche Mauer, die ich schon sehr früh durchstoßen habe“, so Guldas Verdikt.

“Ätsch, zu früh gefreut”

Eine weitere Grenzverletzung des Meisters der Selbstinszenierung markierte die fingierte Todesnachricht vom 28. März 1999, die sich als schlechter Scherz entpuppte. Gulda meldete per anonymen Fax sein Ableben, tauchte einige Tage unter und meinte dann auf einer „Resurrection“-Party zwischen den Go-Go-Tänzerinnen der „Paradise Girls“: “Ätsch, zu früh gefreut“.

Der in Wien geborene Gulda besuchte zunächst das Grossmann-Konservatorium, nahm dann bei Felix Pazofsky Privatunterricht (1937-1942) und studierte bis 1947 an der Wiener Musikakademie bei Bruno Seidlhofer (Klavier) und Joseph Marx (Musiktheorie). 1944 trat er zum ersten Mal öffentlich auf. Guldas außerordentlicher Rang als Interpret der Wiener Klassik wurde bald mit internationalen Preisen – etwa beim Genfer Wettbewerb 1946 – bestätigt. Bereits mit 20 Jahren debütierte er in der Carnegie Hall in New York, spielte häufig alle 32 Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven in Konzertzyklen und erwarb sich mit intensiver Konzerttätigkeit Weltruhm.

Gegen Konventionen

Mitte der fünfziger Jahre wandte sich Gulda verstärkt dem Jazz zu. 1956 spielte er etwa im Birdland in New York und beim Newport Festival, 1960 gründete er das Eurojazz-Orchester mit. Guldas Widerstand gegen die Praktiken des Konzertbetriebs und gegen die musikalische Eingleisigkeit führten zur Abwendung vom Hochkultur-Konzertpodium. „Was der klassische Frack-Pianist, der arme Hund, kann, das kann ich schon längst“, so der auch für seine prägnanten Sager bekannte Gulda. Er organisierte eigene Veranstaltungen, u.a. das Internationale Musikforum in Ossiach und die Tage freier Musik auf Schloss Moosbach im Lungau, spielte „Mozart-Discos“ und gründete das „Klassische Gulda-Orchester der Wiener Symphoniker“, das sich zur Aufgabe machte, wenig bekannte Werke der Klassik und Frühklassik aufzuführen.

Guldas Kompositionen ließen sich weder im Klassik- noch im Jazzbereich eindeutig ansiedeln. Im Klassik-Bereich setzte er mit seinem Zyklus sämtlicher Mozartsonaten in den 1980ern Maßstäbe. Seine Programme beim Münchner Klaviersommer ließ er ab 1995 mit Vorliebe in Technopartys enden, und Gulda stellte in den 90er Jahren Multimedia-Shows mit musikalischem Cross-Over von Bach, Gulda, Mozart und House, Live-DJs und Tänzerinnen. Gulda: „Ein Musiker wie ich stirbt eines Tages, aber alt wird er nie“.

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