Parmalat-Pleite

Der Skandal um die insolvente Parmalat zieht weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft von Parma ermittelt nun auch wegen mutmasslicher Korruption.

Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass die Parmalat-Manager Steuerfahnder geschmiert haben könnten, um Kontrollen zu umgehen, wie italienische Medien am Sonntag berichteten.

Die Untersuchungen wurden laut den Medienberichten auf weitere Personen ausgeweitet, darunter Spitzenvertreter italienischer und ausländischer Banken. Dieser Tagen seien Durchsuchungen bei Banken geplant, denen unklare Verbindungen zu Parmalat vorgeworfen werden.

Die Staatsanwälte wollen die Untersuchung so rasch wie möglich beenden und in einem Monat einen Prozess beginnen, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica”.

Luganeser Gesellschaft im Visier

In der Schweiz schaltete sich die Eidg. Bankenkommission (EBK) ein: Sie interessiert sich für die Verbindungen zwischen einer Tessiner Effektenhändlerin und der Parmalat-Tochter Geslat.

Die Abklärungen betreffen die Credito Privato Commerciale (CPC) in Lugano. EBK-Sprecherin Tanja Kocher bestätigte auf Anfrage eine entsprechende Meldung der Westschweizer Tageszeitung „Le Temps” vom Samstag. Die Effektenhändlerin hat ihre Büros im gleichen Gebäude wie die Geslat

Einer der Geslat-Verwaltungsräte war gemäss dem Zeitungsbericht noch bis vor einigen Monaten auch im Verwaltungsrat der CPC. Die EBK habe nun den externen Revisor der Effektenhändlerin mit den Abklärungen beauftragt. Die Aufsichtsbehörde habe dies von sich aus veranlasst, betonte Kocher.

Fabrik in Brasilien beschlagnahmt

Die brasilianische Justiz beschlagnahmte eine Parmalat-Fabrik. Ein Komitee von fünf Übergangsverwaltern soll die Fabrik zunächst weiterführen. Die Fabrik hatte ihre lokalen Milchproduzenten nicht mehr bezahlt, wie der zuständige Landwirtschaftsminister erklärte.

Gemäss dem Minister schuldet die brasilianische Parmalat-Tochter den Milchbauern rund 700©000 Dollar. Die brasilianische Regierung hatte bereits am Donnerstag Nothilfen für rund 20©000 Produzenten beschlossen.

Suche nach Tanzis „Geheimschatz”

Die Ermittler suchen derweil weiter nach dem „Geheimschatz” des inhaftierten Parmalat-Gründers Calisto Tanzi. Sie gehen davon aus, dass Tanzi Hunderte Millionen Euro, die er in den letzten Jahren unterschlagen hatte, auf mehrere ausländische Bankkonten verteilt haben könnte.

Am Samstag wurde die Parmalat-Tourismusfirma Nuova Holding unter Gläubigerschutz gestellt. Das Unternehmen hatte in den Kassen noch gut 6000 Euro – dabei betrugen die Schulden der Firma 79©Mio. Euro.

Notenbank-Chef Fazio unter Druck

Gleichentags versammelten sich in Rom einige hundert Personen vor der Notenbank. Sie forderten den Rücktritt des italienischen Zentralbankchefs Antonio Fazio. Ihm wird vorgeworfen, seinen Aufsichtspflichten nicht nachgekommen zu sein.

Wegen der Parmalat-Insolvenz erlitten rund 100©000 italienische Investoren grosse finanzielle Verluste. Am Dienstag plant die Regierung die Verabschiedung eines Dekrets zur Einrichtung einer Aufsichtsbehörde. Die neue Instanz soll die Aufsichtskompetenzen der Zentralbank im Bereich der Finanzmärkte stark reduzieren.

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