Parmalat-Gründer Tanzi bestreitet Vorwürfe

Der Gründer des insolventen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, hat die Vorwürfe des betrügerischen Bankrotts und der Bildung einer kriminellen Vereinigung entschieden bestritten.

Im Laufe einer mehrstündigen Vernehmung am Sonntag stritt der 65-jährige Großunternehmer ab, 800 Mio. Euro aus den Kassen seiner Firma für sich entwendet zu haben.

Die Staatsanwälte von Parma und Mailand, die im größten italienischen Finanzskandal der letzten Jahrzehnte ermitteln, gehen davon aus, dass Tanzi an der Spitze einer Gruppe von neun Parmalat- Manager stand, die Dokumente fälschten und Schwarzsummen in Steuerparadiese ansammelten. Zu den verdächtigten Managern zählen die Ex-Finanzchefs der Gruppe, Fausto Tonna und Luciano Del Soldato. Ein Prozess gegen Tanzi könnte bereits im März stattfinden, berichteten italienische Medien am Montag.

Auch einige Manager von Parmalats Buchprüfungsgesellschaft Grant Thornton sind ins Visier der Ermittler geraten. Sie sollen über die gefälschten Dokumente Bescheid gewusst und ein Auge zugedrückt haben, hieß es. Laut den Ermittlern fälschte Tanzi bereits seit 15 Jahren Dokumente, um das internationale Wachstum seiner Firma zu beschleunigen. Auch sein Sohn Stefano Tanzi wusste über die massive Fälschungsaktion Bescheid.

Nicht nur Parmalat, sondern auch mehreren Töchtern des Nahrungsmittelkonzerns droht die Pleite. Unter Druck steht vor allem der Fußball-Erstligist AC Parma, an dem Tanzi zu 98,7 Prozent beteiligt ist. Ohne eine Kapitalaufstockung drohe dem Klub der Zusammenbruch, warnte Parmas Sportdirektor Patrick Nebiolo, der sich auf die Trennung von mehreren seiner Spieler gefasst macht, um den Klub zu retten. 1987 war Tanzi als Aktionär beim AC Parma eingestiegen, seit 1990 ist er Eigentümer des Klubs.

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