Paris geht gegen iranische Mujaheddin vor

Bei einer Großrazzia gegen die iranischen Volks-Mujaheddin („Nationaler Widerstandsrat Iran“) sind am Dienstagmorgen im Pariser Raum 160 Menschen festgenommen worden.

Nach Angaben der französischen Polizei waren an dem Einsatz insgesamt rund 1300 Sicherheitskräfte beteiligt. In einer Villa in Auvers-sur-Oise im Nordwesten von Paris wurden rund 1,3 Millionen Dollar beschlagnahmt. Die im Irak etablierten Volks-Mujaheddin dienen derzeit den USA als „Faustpfand“ im Konflikt mit dem Iran.

Die Volks-Mujaheddin stehen in Frankreich im Verdacht, Terrorakte vorbereitet und dafür Geld gesammelt zu haben. Darüber hinaus wird ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Die Razzia wurde von dem Pariser Untersuchungsrichter Jean-Louis Bruguiere angeordnet. Durchsucht wurden mindestens 13 Büros und Wohnungen in Vororten der Hauptstadt, vor allem im Departement Val d’Oise. Der Villenkomplex in Auvers-sur-Oise gilt als europäischer Hauptsitz der Volks-Mujaheddin, die auch in Deutschland und Österreich aktiv sind. Sowohl die USA als auch die Europäische Union stufen die Gruppe als Terrororganisation ein, doch haben die US-Truppen im Irak ein Arrangement mit den dortigen Milizverbänden der Exilgruppe getroffen.

Marjam Rajavi ist die Ehefrau des Chefs der Volks-Mujaheddin, Massud Rajavi. Für den Fall eines Machtwechsels in Teheran ist sie von den Volks-Mujaheddin als Staatspräsidentin auserkoren. Die Gruppe ware1979 am Sturz von Schah Mohammed Reza Pahlevi beteiligt. Nach dem Bruch mit dem Mullah-Regime in Teheran ging die Gruppe in den achtziger Jahren in den Untergrund. Seither verübte sie von Nachbarländern aus wiederholt Anschläge auf Ziele im Iran. Durch die Nähe zum gestürzten irakischen Regime von Saddam Hussein haben sich die Volks-Mujaheddin in den Augen vieler Exil-Iraner völlig diskreditiert. Ihr politisches Ziel ist nach eigener Darstellung „der Sturz des Mullah-Regimes, die Schaffung eines säkularen Staates und die Abhaltung freier Wahlen“.

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, hatte das Waffenstillstandsabkommen der USA mit den auf der US-Liste der terroristischen Organisationen stehenden Volks-Mujaheddin heftig kritisiert. Die Hände der Mitglieder dieser im Irak operierenden iranischen Exilgruppe seien mit dem Blut Unschuldiger befleckt. Der Waffenstillstand sei ein weiterer Beleg für die Haltung der Amerikaner, den Terrorismus dann für gut und nützlich zu erachten, wenn er den Interessen der USA diene. Die Volks-Mujaheddin, die über rund 10.000 Mitglieder verfügen sollen, werden für mehrere Morde an US-Militärpersonal in den siebziger Jahren verantwortlich gemacht und unterstützten 1979 die Besetzung der US-Botschaft in Teheran. Der Organisation werden Dutzende von Bombenanschlägen auf iranische Regierungsvertreter angelastet, bei denen auch Zivilisten ums Leben kamen.

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