Paradies: Hoffnung - Trailer und Kritik zum Film

*Mit großer Spannung ist Ulrich Seidls letztes Kapitel seiner "Paradies"-Trilogie, das heute, Freitag, Abend im Wettbewerb der Berlinale seine Weltpremiere feiert, erwartet worden. Nach "Paradies: Liebe" über eine Sextouristin in Kenia und "Paradies: Glaube" über ihre christlich-missionarisch veranlagte Schwester erzählt "Paradies: Hoffnung" nun von der ersten Liebe ihrer Tochter Melanie im sommerlichen Diätcamp. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Es ist, trotz pädophiler Anklänge, der sanfteste Film der Trilogie geworden, dramaturgisch auch der offenste, auf jeden Fall der hoffnungsvollste und am besten zugängliche Seidl seit langem. Schon beim Einchecken in den nüchternen Schulräumlichkeiten wird klar, dass die 16 Jugendlichen, die hier abnehmen sollen, weniger Probleme mit ihrem Gewicht als vielmehr mit den Projektionen der Erwachsenen haben. Entsprechend wird das streng ausgerichtete Quartier rasch zum ausgelassenen Ferienlager, werden Schokoriegel und Kondome verteilt, wird in den engen Viererzimmern getanzt, getrunken, geraucht und – selbstredend mit Flaschendrehen verbunden – geknutscht. Und die Gespräche drehen sich immer nur um eins: das andere Geschlecht.

Seidls hoffnungsvolles Ende der “Paradies”-Trilogie

Die Szenen zwischen Melanie (Melanie Lenz zeigt starke Präsenz) und ihren neuen Freundinnen sind Seidl auch am eindrucksvollsten geraten, ein authentischer Mix aus jugendlicher Sehnsucht und einer Sprache ohne Umschweife. Dass Melanie ausgerechnet den 40 Jahre älteren Arzt (schön ambivalent: Joseph Lorenz) als Ziel ihrer Zuneigung erwählt und dieser den Avancen des jungen Mädchens nicht gänzlich abgeneigt erscheint, ist für den Zuseher vor der Leinwand auf jeden Fall irritierender und bedrohlicher als für die Mädchen, die den Verführungsprozess als Teil des Spiels verstehen.

Seidl spart unterdessen nicht mit absurden und plakativen Szenen in der tristen Camp-Umgebung, seien es die Übungen im Turnsaal, die Gänsemarsch-Spaziergänge am Gelände oder auch der nächtliche Ausflug in die Dorfdisco. Die von den zwielichten Aufsehern geforderte Disziplin wird von den Jugendlichen lustvoll systematisch unterwandert, die Machtverhältnisse – zumindest zwischen Melanie und ihrem Verehrungssubjekt – verschieben sich zusehends. Die repressive Camp-Leitung versucht daher, sich ihre Autorität mit Strafmaßnahmen zu bewahren.

Zwei Szenen im Wald bleiben bei “Paradies: Hoffnung” besonders stark im Gedächtnis: Wird die erste noch ungewöhnlich zärtlich aufgelöst, kann man sich bei Seidl fast sicher sein, dass beim zweiten Mal ein gewisses Morgengrauen folgt. Doch der Filmtitel legt bereits nahe, dass die Verzweiflung und die innere Zerrissenheit, die die Filme des Regisseurs gerne nach sich ziehen, in diesem Fall ausbleibt. Stattdessen wird am Ende ironisch-fröhlich gesungen: If you’re happy and you know it, clap your fat…

Seidl selbst wird indes auch nicht ganz unglücklich sein, dass das paradiesische Monsterprojekt mit den Vorführungen in Berlin, bei der Diagonale in Graz und dem Kinostart am 15. März nun nach vielen Jahren ein Ende findet. Die gesamte Trilogie wird erstmals am Mittwoch in der Berliner Akademie der Künste und anschließend im März in Graz präsentiert. Die Diagonale wird mit “Paradies: Hoffnung” am 12. März eröffnet.

(APA)

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