Papst soll Wiener Kardinal Schönborn kritisiert haben

Es ist nicht geklärt, ob der Papst Schönborn kritisiert hatte.
Es ist nicht geklärt, ob der Papst Schönborn kritisiert hatte. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Der Papst soll bei einer Privataudienz für die "Kaiser Karl Gebetsliga" einen Tag vor der vergangenen Nationalratswahl gegenüber einem Wiener Kirchenfunktionär Kritik an Wiens Kardinal Schönborn geübt haben.

Eine Privataudienz von Papst Franziskus für die “Kaiser Karl Gebetsliga” einen Tag vor der vergangenen Nationalratswahl sorgte am Samstag für gelassene Betriebsamkeit in der Erzdiözese Wien. Das Nachrichtenmagazin “profil” berichtete, dass der Papst dabei gegenüber einem Wiener Kirchenfunktionär Kritik am Wiener Kardinal Christoph Schönborn geübt habe. Anlass: die Islamisierung Europas. “Ich habe zur Islamisierung einen anderen Zugang als Ihr Kardinal”, soll Franziskus im Rahmen der Audienz erklärt haben. “Ich halte nichts von falsch verstandener Toleranz. Es fehlt mir das Missionarische bei dieser Debatte. Christen sollten Menschen anderen Glaubens in Liebe sagen, woran wir glauben und welche Vorzüge unsere Religion hat”, so der Papst. Seine größte Sorge sei nicht die Ausbreitung des Islam selbst, sondern die “indifferente Haltung” der Katholiken zu ihrem eigenen Glauben. Daraus entstehe dann “falsch verstandene Toleranz” und “Indifferentismus”. Und der Papst will laut “profil” auch gehört haben, dass Politiker im Wahlkampf “Maßnahmen gegen die Islamisierung” versprochen hätten.

Unklar, ob Aussagen so gefallen sind

Ob die Aussagen so gefallen sind, lässt sich nicht rekonstruieren. Der Überbringer der Botschaft wollte laut “profil” lieber anonym bleiben. Im offiziellen Redetext des Papstes zur Audienz ist darüber nichts zu finden, sie dürften am Rande der Audienz gefallen sein. Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien, kommentierte die kolportierten Zitate des Papstes am Samstagnachmittag gegenüber Kathpress gelassen. Beim Thema Islamisierung gebe es keinen Widerspruch zwischen Papst Franziskus und Kardinal Christoph Schönborn, so Prüller.

Prüller geht von Missverständnis aus

“Mir scheint da eher ein Missverständnis vorzuliegen. Das, was der Papst da angeblich bei einer Privataudienz über die Islamisierung gesagt hat, deckt sich eins zu eins mit der Auffassung Kardinal Schönborns.” Dass der Papst nichts von falsch verstandener Toleranz halte und seine größte Sorge nicht die Ausbreitung des Islam selbst, sondern die indifferente Haltung der Katholiken zu ihrem eigenen Glauben sei, “das hätte auch Kardinal Schönborn so sagen können”, sagte Prüller.

Vielleicht hatte Papst Schönborn missverstanden

Entweder habe man dem Papst im Gespräch also ein verzerrtes Bild der Haltung der österreichischen Bischöfe gegeben oder er ist grob missverstanden worden, vermutet Prüller. “Nachdem sich in der Realität die inhaltlichen Positionen von Papst und Kardinal decken, regt uns das alles nicht sehr auf.” Prüller erinnerte an zurückliegende Interviews des Kardinals. Dabei habe Schönborn unter anderem gemeint: “Europas christliches Erbe ist in Gefahr, weil wir Europäer es verschleudert haben. Mit dem Islam oder gar den Flüchtlingen hat das nichts zu tun. Es ist klar, dass viele Islamisten gerne unsere Schwäche ausnützen würden, aber sie sind für unsere Schwäche nicht verantwortlich. Das sind wir Europäer selber. … Die Chance auf eine christliche Erneuerung Europas liegt bei uns: wenn wir uns auf Christus besinnen, sein Evangelium verbreiten und mit unseren Mitmenschen, auch den Fremden, so umgehen, wie er es uns ans Herz legt – in Liebe und Verantwortung.” Und: “Wir brauchen in Europa kein Aufrüsten gegen andere Religionen, sondern wir brauchen wieder ein lebendiges Christentum.”

APA/Red.

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