Papst konnte Messe nicht selbst zelebrieren

Papst Johannes Paul II. hat wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands das Hochamt zum Palmsonntag in Rom nicht persönlich zelebrieren können.

Die Messe, die trotz ungewöhnlich kühler Temperaturen und starken Windes auf dem Petersplatz stattfand, wurde von dem Vikar für die Stadt Rom, Kardinal Camillo Ruini, gelesen. Das 81-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche beschränkte sich wegen starker Knieschmerzen darauf, die Feier von seinem Stuhl aus zu leiten. Er nahm die Segnung der Palmzweige vor und hielt die Predigt. Zum Abschluss der Messe sprach er das Angelus-Mittagsgebet. Anschließend fuhr er mit dem „Papamobil“ über den Petersplatz, wo er von tausenden Gläubigen bejubelt wurde. Diese Fahrt überraschte viele, da sie nicht auf dem Programm stand, sondern offenbar eine spontane Entscheidung des Papstes war.

Die Entscheidung sei getroffen worden, um dem Papst körperliche Anstrengungen zu ersparen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung aus Kreise aus der Vatikandiplomatie. Johannes Paul II. stand erst am Ende der Messe von seinem Stuhl auf, um die Gläubigen zu segnen. Zuvor hatte er sich bei der Wandlung niedergekniet. Es war das erste Mal in seinem mehr als 23 Jahre dauernden Pontifikat, dass Johannes Paul II. die Palmsonntagsmesse, mit der die Osterwoche eingeleitet wird, nicht selbst zelebrierte.

Der Gesundheitszustand des Papstes hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert. Nach offiziellen Angaben hatten ihn die durch Arthrose bedingten Schmerzen im rechten Knie gezwungen, auch eine Generalaudienz und mehrere Besuche in römischen Pfarreien abzusagen. Johannes Paul II. kann seit längerem kaum noch gehen. Bei den Messen im Petersdom wurde er zuletzt auf einem rollenden Podest zum Altar geführt. Außerdem fällt ihm das Sprechen zunehmend schwerer. Manchmal sind seine Worte kaum zu verstehen. Geistig sei er aber nach wie vor gänzlich auf der Höhe, hieß es aus seiner Umgebung.

Dem Papst steht jetzt eine äußerst anstrengende Woche mit den langen Liturgien von Gründonnerstag bis Ostersonntag bevor. Der Vatikan hat bereits mitgeteilt, dass Johannes Paul II. den Kreuzweg am Freitagabend im Kolosseum nicht selbst gehen, sondern nur leiten wird. Er werde eine Ansprache halten und anschließend den Segen erteilen.

Am Samstag hatte Johannes Paul II. mit Äußerungen über sterbenskranke Menschen für Aufsehen gesorgt. Er sprach sich in einem Empfang für Ärzte dagegen aus, das Leben sterbenskranker Menschen durch „therapeutische Verbissenheit“ künstlich zu verlängern. Das sei nicht nur sinnlos, sondern auch nicht respektvoll gegenüber dem Patienten, der sich im Endstadium befinde, sagte er. Die Mediziner aus vielen Ländern hatten in Rom an einem Treffen über die weltweite Bekämpfung von Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes teilgenommen.

Johannes Paul II. ermutigte die Ärzte, zur Früherkennung und Heilung von Krebserkrankungen die modernsten Mittel einzusetzen und die Forschung immer weiter voranzutreiben. Man müsse jedoch bei den leidenden Menschen den Eindruck vermeiden, dass die Medizin allmächtig sei, fügte er hinzu. „Es gibt Grenzen, die der Mensch nicht überschreiten kann“, betonte der Papst.

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