Papst empört mit Aussage über Schlagen von Kindern

Kritik an Sager zu "gerechter Strafe" für Kinder
Kritik an Sager zu "gerechter Strafe" für Kinder
Papst Franziskus hat mit einer Aussage über das Schlagen von Kindern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Einmal habe er einen Vater bei einem Treffen sagen gehört, "ich muss meine Kinder manchmal ein bisschen hauen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen", sagte Franziskus am Mittwoch bei seiner Generalaudienz. "Wie schön", fuhr der Papst fort.


“Er kennt den Sinn der Würde, er muss bestrafen, er macht es aber gerecht und geht dann weiter.” Papst-Sprecher Federico Lombardi reagierte auf die darauf folgende Entrüstung. “Der Papst hat nicht dazu eingeladen, Kinder zu schlagen”, erklärte er der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr habe Franziskus über die Verantwortung der Eltern gesprochen, ihre Kinder mit Liebe und Respekt auf den richtigen Weg zu bringen und ihre Würde zu bewahren.

Bei der Audienz in Rom hatte Franziskus vor allem betont, wie wichtig ein präsenter Vater bei der Kindererziehung sei. Ein guter Vater sei geduldig und könne vergeben. Zu viel Kontrolle bedeute, “die Kinder nicht wachsen zu lassen”.

Katholische Organisationen in Österreich reagierten mit überraschender Schärfe auf die Äußerungen des Papstes. “Wer Gewalt als Mittel in der Erziehung einsetzt, missachtet in jedem Fall die Würde des Kindes”, sagte Jungschar-Vorsitzende Sara Dallinger am Freitag laut Aussendung. Es sei die Pflicht Erwachsender, Kinder davor zu schützen.

Auch der Katholische Familienverband (KFÖ) reagierte mit Unverständnis. “Ich bin da keinesfalls seiner Meinung”, sagte KFÖ-Chef Alfred Trendl laut “Kathpress”. Gewalt an Kindern sei immer abzulehnen. “Hier irrt der Papst aus unserer Sicht”, erklärte Trendl.

Eine Deutung der Papst-Aussagen lieferte die “Radio Vatikan”-Journalistin Gudrun Sailer. Der 78-Jährige stamme aus einem anderen Kulturkreis und einer anderen Religion, sagte sie laut “Kathpress”. Man solle die Aussagen weder rechtfertigen noch relativieren, doch demonstrierten die Äußerungen, dass unter dem Pontifikat von Franziskus Worte nicht mehr auf die “Goldwaage” gelegt und jedes Wort von Haustheologen vor der Äußerung geprüft werden.

Im Internet braute sich ein sogenannter Shitstorm zusammen. “Völlig daneben: Ein “Klaps” für Kinder sei in Ordnung, so der #Papst.”, twitterte die deutsche Grünen-Chefin Simone Peter. “Alltägliche Gewalt gegen Kinder darf so nicht verharmlost werden!” Anderer Nutzer auf Twitter schrieben “Wer Kinder schlägt ist armselig” oder “Ganz so modern ist er (der Papst) doch nicht.”

Bei Kinderrechtsexperten und im Netz war die Empörung am Freitag groß. Es sei klar, dass es kein würdevolles Schlagen gibt, sagte eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums in Berlin. “Jegliche Gewalt gegen Kinder ist vollkommen inakzeptabel.” In Deutschland gelte das Bürgerliche Gesetzbuch, in dem das Recht von Kindern auf gewaltfreie Erziehung festgeschrieben sei. Die Vizepräsidentin des Bundestages, Claudia Roth, kritisierte die Worte ebenfalls. “Die Äußerung des Papstes zeigt, dass trotz seiner vielen guten Ansätze weiter ein eher mittelalterliches Denken in großen Teilen der Katholischen Kirche vorherrscht”, sagte sie der Zeitung “Die Welt”.

“Wir finden es sehr schade, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche das Schlagen von Kindern als Strafe erlaubt”, sagte die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Paula Honkanen-Schoberth. Ob ein Klaps auf den Po oder eine Ohrfeige – jegliche Form des Schlagens entwürdige und demütige die Kinder.

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