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Papst Benedikt XVI. in Berlin eingetroffen

Papst Benedikt XVI. ist am Donnerstag in Berlin zu seinem dritten Deutschlandbesuch eingetroffen.
Livestream vom Papst-Besuch
Papst in Deutschland angekommen

In seiner ersten Ansprache vor dem Schloss Bellevue in Berlin hob er den religiösen Charakter der Reise hervor. Er sei “nicht in erster Linie hierhergekommen, wie es andere Staatsmänner tun, um bestimmte politische oder wirtschaftliche Ziele zu verfolgen, sondern um den Menschen zu begegnen und mit ihnen über Gott zu sprechen”, sagte der Papst am Donnerstag bei seiner Begrüßung durch Bundespräsident Christian Wulff.

Papst beklagt Gleichgültigkeit

Der Papst beklagte gleichzeitig eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der Religion in der Gesellschaft. Notwendig sei aber die Religion als Grundlage für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft, weil die Freiheit immer eine Rückbindung an “ein höheres Gut” brauche. Benedikt zitierte den Sozialreformer Bischof Wilhelm von Ketteler mit den Worten: “Wie die Religion der Freiheit bedarf, so bedarf auch die Freiheit der Religion.”

Unter dem Beifall der mehr als 1.000 geladenen Gäste sagte Bundespräsident Wulff: “Willkommen zu Hause, Heiliger Vater.” Anschließend erinnerte er den Gast an die Probleme, vor denen die Kirchen stehen. Wichtig sei, dass sie den Menschen nahe blieben und sich trotz Sparzwängen und Priestermangel nicht auf sich selbst zurückzögen. “Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit”, sagte Wulff.

Der Bundespräsident spielte auch auf die Situation von Katholiken an, die vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen sind: Der Kirche sei herausgefordert von Fragen wie: “Wie barmherzig geht sie mit den Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern?” Der Katholik Wulff ist selbst nach der Scheidung von seiner Frau wiederverheiratet, gilt damit aus Sicht der Kirche als öffentlicher Ehebrecher und darf die Kommunion nicht empfangen.

Vatikansprecher Federico Lombardi lobte später die Rede von Bundespräsident Wulff als “klar und ehrlich”. Der Papst habe Wulffs Worte “sehr geschätzt” und dies auch zum Ausdruck gebracht, indem er die Ansprache abweichend von seinem Redemanuskript als “tief” bezeichnet habe, sagte der Sprecher am Donnerstag wenige Stunden nach Ankunft des Papsts in Berlin.

Papst trifft auf Merkel

Nach der Begegnung mit Wulff traf Benedikt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese betonte nach dem Treffen den Anspruch der Politik zur Bewältigung der Finanzkrise. Sie habe mit dem Papst über die Finanzmärkte gesprochen und “über die Tatsache, dass die Politik schon die Kraft haben sollte, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein”, sagte Merkel vor Journalisten nach der Unterredung in der Repräsentanz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin.

“Gute wie schlechte Fische”

Papst Benedikt XVI. rief auf dem Flug nach Berlin die Katholiken in Deutschland auf, trotz der Missbrauchsskandale der Kirche nicht den Rücken zu kehren. Bei einer “fliegenden Pressekonferenz” sagte er am Donnerstag, er habe Verständnis, dass einige Menschen, insbesondere die Opfer von sexuellem Missbrauch und deren Angehörige sagten, “dies ist nicht länger meine Kirche”.

Die Kirche solle als eine Institution gesehen werden, die im Netz des Herrn sowohl “gute wie schlechte Fische” fange, appellierte das Oberhaupt der katholischen Kirche mit einem Bild aus der Bibel. Sie müsse lernen, solche Skandale auszuhalten und jeden Missbrauch durch Priester energisch bekämpfen. Im vergangenen Jahr hatten 181.000 Katholiken in Deutschland die Kirche verlassen – so viele wie noch nie.

Rede vor dem Bundestag

Am Nachmittag gegen 16.30 Uhr wird der Papst seine mit Spannung erwartete Rede vor dem Bundestag halten. Etwa 100 der 620 Parlamentarier – hauptsächlich Vertreter von SPD, Grünen und Linken – kündigten an, der Rede fernzubleiben, weil sie das Parlament für einen ungeeigneten Ort für die Rede eines Kirchenoberhaupts halten. Bei Spitzenpolitikern von SPD und CDU stieß dies auf Unverständnis. Papstgegner wollten während der Rede in Berlin demonstrieren.

Benedikt XVI. sieht die Proteste und die Opposition gegen seinen Deutschlandbesuch gelassen. “Das ist normal in einer freien Gesellschaft”, sagte er während des Fluges. Dagegen sei nichts zu sagen, wenn man es denn auf friedliche Weise tue. “Ich komme freudig nach Deutschland”, sagte der Papst. “Ich bin in Deutschland geboren, die Wurzel kann und soll nicht abgeschnitten werden.”

Dritter Besuch in Deutschland

Für den Papst ist es der dritte Deutschlandbesuch seit seiner Wahl 2005, zuvor war er 2005 beim Weltjugendtag in Köln und 2006 in seiner bayerischen Heimat. Dieser Besuch ist aber der erste offizielle Staatsbesuch des Papstes in seiner Heimat. Er wird neben Berlin die thüringische Hauptstadt Erfurt, die Wallfahrtskapelle Etzelsbach in Thüringen sowie die Erzbischofsstadt Freiburg in Baden-Württemberg besuchen.

Aus Österreich werden – mit Ausnahme einer Gruppe Vorarlberger Pilger, die nach Freiburg reist – keine größere Pilgergruppen zum Deutschlandbesuch des Papstes erwartet. Drei österreichische Bischöfe nehmen teil: Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun ist in Berlin mit dabei, der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser reist nach Erfurt. Der Bischof von Feldkirch, Elmar Fischer, wird bei der Abschlussmesse in Freiburg am 25. September dabei sein. APA

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