Paola Aguilera übernimmt internationale Schiene des Ensembletheaters

Das Führungsteam des Wiener Ensembletheaters wird ab 2008 um Regisseurin Paola Aguilera als Leiterin der Internationalen Schiene des Theaters erweitert. Eröffnen wird sie ihre Tätigkeit mit dem internationalen Theaterfestival "Plug and Play" von 10. bis 26. Jänner.

Ob sie ab 2009 die Nachfolge Dieter Haspels antreten wird, ist derzeit noch nicht entschieden. “Es ist aber schon angedacht”, hieß es gestern, Mittwoch, aus dem Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S).

Auf eine Empfehlung der Theaterjury wird das Programm des Ensembletheaters, das im Jänner sein 40-jähriges Bestehen feiert, künftig auf zwei Säulen gestützt sein, nämlich die Eigenproduktionen auf der einen und die internationale Ausrichtung auf der anderen Seite. “Die internationale Schiene soll schließlich etwa die Hälfte des Spielplanes ausmachen”, erklärte Geschäftsführerin Christine Bauer gegenüber der APA. Gestartet wird im Jänner bereits mit dem Festival “Plug and Play”, bei dem vier Produktionen aus Litauen, Ungarn, Kroatien, Italien und den Niederlanden, sowie Workshops für Theatermacher von der Moving Academy for Performing Arts aus Amsterdam in Wien zu Gast sein werden.

“Es sind alles kleine, mobile Performances”, erklärte Aguilera im Gespräch mit der APA den Titel “Plug and Play”. “Das ist wie bei einem Zirkuszelt, man nimmt es mit, baut es auf, steckt es an und fängt an zu spielen.” Gemeinsam hätten die Arbeiten außerdem eine ästhetisch-handwerkliche Linie und die starke Betonung auf den Körper, was die Internationalität erst möglich mache. “Michael Moritz’ Stück ‘Bruno Freddy Boyle’ ist vor allem auf Italienisch, es versteht aber trotzdem jeder”, so Aguilera. Neben dem Italiener mit der Geschichte über einen Bahnhofsvorsteher im Charlie-Chaplin-Stil kommt mit Arturas Valudskis nicht nur ein litauischer Regisseur, sondern auch ein wenig litauische Musik in einen Lieder-Theaterabend verpackt nach Wien. Intimes Bewegungstheater machen Aleksandar Acev mit “Batina Rhapsody” und Virag Dezsö mit “Listen to me”. Michael Helmerhorst bietet in seinem “Patent” eine bizarre Reise durch die Geschichte des Theaters.

“Es ist mir ein Anliegen, dieses Festival so zu verbringen, wie wir auch sonst leben”, sagte Aguilera in Hinblick auf ihre künftige Tätigkeit am Ensembletheater, “wir sind ja alle Regisseure, Schauspieler und Pädagogen, heute muss man das alles können.” Die Gäste, die mir ihren fertigen Produktionen aus der freien Theaterszene in ihrer jeweiligen Heimat kommen, hätten alle die Begabung “etwas mitzuteilen”. Wie für die gesamte internationale Arbeit des Ensembletheaters solle der Austausch innerhalb der internationalen freien Szene bestimmend sein. “Sie sollen etwas hierlassen und auch etwas mitnehmen”, so Aguilera, die betont, dass es ihr leichter gefallen sei, Verbindungen mit Amsterdam, Berlin und anderswo herzustellen, als innerhalb Österreichs. “Das ist wie bei guten Freunden: Man muss nicht jeden Tag telefonieren, man trägt sich im Herzen.”

Paola Aguilera wurde in Santiago de Chile geboren und ist in Peru, Rumänien und Deutschland aufgewachsen. Sie lebt seit 1991 in Wien, wo sie seit 1994 als freie Schauspielerin und Regisseurin tätig ist. Sie absolvierte das Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien und ein Studium an der Moving Academy for Performing Arts MAPA in Wien, Amsterdam und Berlin, das sie mit dem Diplom in Regie, Coaching und Artistic Leadership abschloss. Paola Aguilera war künstlerische Leiterin des Theatervereines toc in Wien und war in der Saison 2006/2007 am Schauspielhaus Salzburg als Spielleiterin tätig. Am Ensembletheater wird sie 2008 auch selbst inszenieren, wahrscheinlich bei einer weiteren Koproduktion mit dem Wachauer Hoftheater Gossam. Dass sie Theatergründer Dieter Haspel 2009 oder später als Direktorin beerben wird, scheint logisch, für Aguilera ist dieses kommende Jahr aber auch noch eine Art Probezeit. Dem Theater werde sie aber in jedem Fall erhalten bleiben – “ich habe da ein bisschen ein Zuhause gewonnen.”

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