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Pandora: Maitresse, mon amour!

Diesmal: Pandora nimmt den Frontplatz im zweitältesten Gewerbe der Welt ein. Als Geliebte. Die als solche nicht nur Frodo vom Ring befreit.

Ich wollte schon immer einen Jaguar. Das Gefährt, versteht sich. Und, schuldig im Sinne der Anklage, war mir bewusst: Entweder muss ich dafür arbeiten oder einem spendablen Tiger mein Kätzchen, nicht die Krallen, zeigen. Ich stand, passenderweise in Leo-Imitat gehüllt, auf der Tribüne eines Polo-Spektakels, den Blick fest auf den Fuhrpark der anwesenden Gästeschar geheftet, als mir Champagner samt kurzer Botschaft serviert wurde. Den Jaguar-Dompteur, also jenen Herr, der diese und andere flotte Teile an die Schickeria verklopft, verlangte es nach einem Rendezvous. Am Ausgang – und bitte diskret.

Dort kam der Miezen-Maestro beschleunigt zur Sache: Frau Miezen-Maestro, ein schwerhüftiges Wesen mit böser Botox-Mimik, sei zwar die Mutter seiner Erben. Aber Pandora, seit er ihr ansichtig wurde, sei die Mutter aller Schlachten, die man im Liegen gewinnt. „Sie denken wohl, ich wäre käuflich“, schnurrte ich und erkundigte mich nach der Lieferbarkeit des XKR Coupé. „Bis jetzt nicht“, gab er zurück. „Aber Sie wirken auf mich wie eine vernünftige Frau.“ Abends fand ich ein Businessclass-Ticket nach Miami auf meinem Kopfkissen. Miezen-Maestro wollte mich erst einmal Probe fahren. Bedauerlicherweise war ich zuvor, im Wellnessbereich des Hotels, seiner persönlichen Karosserie ansichtig geworden. Und obwohl ich lieber in einem Penthouse als in einer Waschküche weine: Sex mit unrasierten Männern ist ausgeschlossen. Den Jaguar strich ich von der Wunschliste.

Trotzdem: Ich bin eine Frau mit einem Körper für die Sünde und einem Kopf fürs Geschäft. Und der sagt: Sex mit verheirateten Männern ist eine tolle Sache, ihm haftet Leidenschaft, Dramatik und der Lustschweiß der Verweiflung an – eine bittersüße Romantik, der ich selten widerstehen kann. Außerdem lockt die Rückvergütung verlorener Stunden.

Denn niemals werde ich etwa Ch. vergessen. Teurer Anzug, schöne Hände, goldener Reif am Ringfinger. Ich tat ihn an einem Spätsommerabend auf, wir tranken Koriander-Mojitos und trieben es im Anschluss in seinem Auto, bis die Kindersitze aus der Halterung plumpsten. Was Ch. zu bieten hatte: eine übellaunige Frau, einen prächtigen Lümmel und
wenig Tagesfreizeit. Ich konterte mit: vaginalen Orgasmen, leichtem Übergewicht ob der heimlichen Restaurantbesuche und einem frischen Satz La-Perla-Höschen. Die Rechnung ging auf, für alle Beteiligten. Bis meine Existenz als moderne Madame de Pompadour durch ein Scheidungsverfahren beendet wurde. Nichts killt Erotik effektiver als die Realität.
Die Rolle der bösen Stiefmutter liegt mir einfach nicht.

A. war anders. Eine Schatzkiste von einem Mann – mit allem und noch mehr gesegnet als sein Vorgänger. Sein Schönheitsfehler: Er besaß Anstand. Tatsächlich musste ich ihn zum ersten Lippenkontakt beinahe nötigen. Als er an der Reihe war, ließ er betrübt die Beine von der Bettkante baumeln – und nicht nur die. Ich, ganz die Florence Nightingale der erektilen Dysfunktion, spendete Trost und orderte erst einmal Steaks aufs Zimmer. Am Morgen danach nahm ich die Sache erneut in Angriff: Die Moral hatte verpennt. Und unter seinen erstaunten Augen genoss ich Lipservice statt Roomservice.

Bevor sie mich heilig sprechen: In diesem Fall nahm ich sein Herz – und nicht sein Geld. Ein böser Fehler, an dem ich noch lange kauen werde. Aber wozu darben? Auch andere Frauen haben schöne Männer. Ach ja: Hassen Sie mich. Bitte nicht.

Erschienen im WIENER Nr. 308

Zur Person: Janina Lebiszczcak erlangte Kultstatus mit ihrer Kolumne “Pandoras Box” im Magazin WIENER. In Zukunft schreibt “Pandora” auch für Vienna.at – ein Hochgenuss, mal bissig, mal sexy, in jedem Fall amüsant! Wir freuen uns schon auf’s nächste Mal…

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