Pal Schmitt - Ein Fechter soll ungarischer Präsident werden

Pal Schmitt war immer schon ein Glückskind gewesen. Der zweifache olympische Teamsieger im Degenfechten und langjährige Sportfunktionär erreicht im Jahr 2010 den Höhepunkt seiner politischen Karriere: Mit dem Sitz des ungarischen Parlamentspräsidenten hat er derzeit bereits das zweithöchste Amt im Staat inne, nun soll er vom Parlament am 29. Juni zum Staatspräsidenten des Landes gewählt werden.

Schmitt gilt als völlig andere Persönlichkeit als sein streitbarer, politisch und diplomatisch oft eigensinniger Vorgänger Laszlo Solyom, dessen Amtszeit am 5. August ausläuft. Beobachter beschreiben ihn als auch umgänglich, polyglott, weltgewandt, diplomatisch, loyal – für die parlamentarische Opposition sogar ein bisschen zu loyal gegenüber Premier Viktor Orban. Schmitt könne das Land nicht als gesamtes repräsentieren, weil er bloß ein “Parteisoldat” von Orbans rechtskonservativer Partei Fidesz-MPSZ sei, hieß es nach seiner Nominierung am Mittwoch umgehend aus den Reihen der oppositionellen Sozialisten (MSZP). Seine Wahl gilt als sicher, da Fidesz gemeinsam mit den mit ihnen untrennbar verbündeten Christdemokraten (KDNP) eine Zwei-Drittel-Mehrheit sein Eigen nennt.

Der Politiker wurde 1942 in Budapest geboren. 1968 und 1972 errang er mit seinem Degenfechtteam die olympische Goldmedaille, 1970 und 1971 erhielt er den Teamweltmeistertitel. Nach Ende seiner Sportkarriere Mitte der 70er Jahre konzentrierte sich der studierte Wirtschaftswissenschaftler zunächst auf seine Managementtätigkeit in der Hotellerie.

Ab Anfang der 80er Jahre engagierte er sich dann zunehmend sowohl im Ungarischen als auch im Internationalen Olympischen Komitee (MOB bzw. IOC). Seit 1990 bekleidet er ununterbrochen das Amt des MOB-Vorsitzenden, von dem er im Fall seiner Wahl zum Staatspräsidenten zurückzutreten gedenkt. Nach dem Ende des Kommunismus nahm er zudem als Botschafter in Spanien (1993-97) und der Schweiz (1999-2002) auch diplomatische Agenden wahr.

In die große Politik stieg Schmitt erst 2002 ein, als er bei der Kommunalwahl zunächst formell als Unabhängiger – allerdings mit Unterstützung von Fidesz und des konservativen MDF – erfolglos gegen Budapests langjährigen liberalen Bürgermeister Gabor Demszky kandidierte. Im Jahr darauf trat er Fidesz offiziell bei und konnte bei der ersten ungarischen EU-Wahl 2004 als Spitzenkandidat der Fidesz-Liste einen großen Erfolg feiern, als die damals oppositionelle Partei aus dem Stand die Hälfte der 24 ungarischen EU-Mandate auf sich vereinigen konnte.

2009 wurde er als erster Ungar zu einem der Vizepräsidenten des EU-Parlaments gewählt. Nach seiner Wahl ins Budapester Parlament im Rahmen des überragenden Wahlsiegs von Fidesz im April 2010 und seiner Berufung zum Parlamentspräsidenten verzichtete Schmitt auf sein EU-Mandat.

Der 68-Jährige ist mit einer Turnerin verheiratet und Vater dreier Töchter. Er spricht nach Angaben auf seiner Homepage Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch sowie etwas Russisch.

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