Pädophiler von 15-jährigem Opfer beraubt: Prozess in Wien

Der Prozess rund um den Pädophilen, der zum Opfer wurde, ist vertagt worden.
Der Prozess rund um den Pädophilen, der zum Opfer wurde, ist vertagt worden. ©APA (Sujet)
Im März 2018 soll ein 15-Jähriger gemeinsam mit zwei Freunden ausgerechnet jenen Mann zu berauben versucht haben, der ihn zuvor sexuell missbraucht hatte und dafür auch verurteilt worden ist. Der 50-Jährige gab an, sich mit dem Jugendlichen zu einer Aussprache getroffen zu haben. Weil das Opfer bei dem Raubversuch laut um Hilfe schrie, ließ das Trio schließlich von dem 50-Jährigen ab und flüchtete. Die Verhandlung gegen die Burschen wurde am Montag am Landesgericht vertagt.

Von den Angeklagten fühlte sich nur das frühere Opfer des Pädophilen “ein bisschen schuldig”, während seine 16-jährigen Freunde auf nicht schuldig plädierten. Man habe den Überfall auf den Deutschen keinesfalls geplant, vielmehr sei man von einem Dealer dazu gezwungen worden, so die Verantwortung der Angeklagten.

50-Jähriger kam nach Wien um sich mit Opfer “auszusprechen”

Die Anklage der Staatsanwaltschaft las sich etwas einfacher: Demnach hatte man sich von dem 50-Jährigen, der sich wegen eines Aufenthaltsverbots für Österreich illegal in Wien aufhielt, zu einem Schnellimbiss-Lokal am Verteilerkreis einladen lassen und ihn danach in den nahegelegenen Entenpark gelockt. Dort prügelten die Burschen auf den Mann ein, von dem sie wussten, dass er 1.400 Euro dabei hatte. Als ein Zeuge durch die Hilferufe auf das Geschehen aufmerksam wurde, machten sie sich jedoch aus dem Staub und ließen ihr Opfer, auf den angeblich mit einer Eisenstange eingeprügelt worden war, verletzt zurück.

Vor Gericht erzählten sie jedoch eine nicht immer sehr logisch klingende Geschichte, wonach eine allen Beteiligten Unbekannte via Snapchat zehn Deka Gras kaufen wollte. Bei den Dealern ihres Vertrauens besorgten sie den Stoff, doch “Denise” ließ nicht mehr von sich hören. Der Verkäufer wollte nun Geld sehen und hätte sie gezwungen, den Überfall zu begehen. Zudem hätte einer der Dealer auf das Opfer eingetreten.

Von diesen Drogenhändlern hat der 50-Jährige jedoch nichts mitbekommen. Er sei trotz des Verbots nach Wien gekommen, um sich mit seinem Opfer “auszusprechen”. Dies sei bei einem ersten Treffen nicht möglich gewesen, weshalb er sich am Abend des Überfalls mit dem bosnischen 15-Jährigen, dem Serben und dem Österreicher getroffen habe. Zunächst sei noch ein gewisser “Elvis” dabei gewesen, der sich aber, als er durch die in Serbokroatisch geführten Gespräche bemerkte, dass ein Raub bevorstand, aus dem Staub gemacht hatte.

Prozess: Tatbeteiligung heruntergespielt

Alle Beteiligten spielten ihre Tatbeteiligung herunter. Auch der Umstand, dass die vorsitzende Richterin Michaela Röggla-Weisz die erst spät aufgetauchte Version mit den Dealern offensichtlich infrage stellte und die Angeklagten darauf aufmerksam machte, dass dies für die rechtliche Beurteilung nicht von Belang sei, konnte die Burschen nicht zu einem reumütigen Geständnis bewegen. Dem Antrag der Verteidigung, den zur Hilfe geeilten Zeugen zu laden, wurde stattgegeben. Davon erhofft sich das Gericht Klarheit darüber, ob auf das Opfer tatsächlich mit einer Eisenstange eingeprügelt wurde, weshalb schwerer Raub angeklagt worden war. Der Prozess wurde auf 3. Oktober vertagt.

Zuvor hatte der 50-Jährige für Verwunderung im Gerichtssaal gesorgt, als er den Angeklagten unbedingt zeigen wollte, dass eine seiner Kopfwunden bis heute nicht geheilt ist. Zudem sprach sich der verurteilte Pädophile dagegen aus, die jungen Männer zu Haftstrafen zu verurteilen. Falls die Möglichkeit dazu in Österreich bestünde, sollten diese lieber Sozialarbeit leisten.

(APA/Red)

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