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Österreichs Bischöfe kritisieren Tsunami-Hilfe

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Die Hilfe sei zu teuer, nicht angepasst und würde enorme Folgekosten verursachen - Forderung nach Transparenz bezüglich der öffentlichen Hilfsgelder.

Die “überwältigende Spendenbereitschaft“ der Österreicher war seit der Flutkatastrophe in Südostasien in aller Munde. Allein die Hilfsaktion „Nachbar in Not“ konnte sich bei der Spendenbilanz am vergangenen Montag über 31 Millionen Euro freuen. Bund, Länder, Städte und Gemeinden wollen weitere 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Darüber und vor allem wie sinnvoll diese Gelder an Ort und Stelle ausgegeben werden resümierte nun die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) in einer mehrseitigen kritischen Stellungnahme.


Gespeist werden die Kritikpunkte bezüglich der Wiederaufbauhilfe aus der jahrelangen Erfahrung auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit und im Austausch mit den Projektpartnern in den vom Tsunami betroffenen Krisenregionen. Das betonte KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl im APA-Gespräch.


Kritikpunkt Nummer eins bezog sich auf den Haus- und Dörferbau, den die KOO als „nicht angepasst und zu teuer“ bezeichnete. Mit Eigeninitiative der heimischen Bevölkerung könne man nach Angaben der Projektpartner Häuser in den Krisenregionen bereits um 1.500 bis 3.000 Euro errichten, tatsächlich werde jetzt häufig viel teurer gebaut. Die KOO äußerte Bedenken, dass Korruption gefördert und die lokale Bauweise nicht respektiert werde.

“Enorme Folgekosten”


Enorme Folgekosten ortete die KOO in Zusammenhang mit den Schul- und Spitalbauten. Jede Bezirkseinheit in Sri Lanka mit rund 30.000 bis 50.000 Bewohnern würde sich eine eigene Schule oder ein neues Spital wünschen. „Das wird eine höhere Dichte an Spitalseinrichtungen, als es sich Österreich leistet, ergeben“, so Hödl, wobei die enormen Folgekosten noch gar nicht abgeschätzt werden könnten. Es sei nicht notwendig, alles für die Menschen zu tun, sondern sie in ihrem eigenen Engagement zu unterstützen, konstatierte Hödl.


Weiters äußerte die KOO die Befürchtung, dass die Hilfe eher den Reichen zugute komme. Es gäbe Vorhaben, Fischerdörfer mit dem Sicherheitsargument zwei bis drei Kilometer ins Landesinnere abzusiedeln. Dies entspreche dem seit Jahrzehnten betriebenen Versuch der Tourismuskonzerne, Fischer abzusiedeln, um Hotels bauen zu können. Hier müssten dringend Rechtsanwälte eingeschaltet werden.


Zu befürchten sei, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen oder zumindest verfestigen könnte, wie es nach Angaben der KOO in Zusammenhang mit der internationalen Wiederaufbauhilfe nach dem Hurrikan Mitch im Jahr 1998 der Fall gewesen sei. Man müsse auch stets die Armen im Landesinneren im Auge haben, die von der Flut der Spenden nicht profitieren. Große Gegensätze würden sonst noch größer und neue Spannungen wären die Folge.


Insgesamt forderte Hödl vor allem vom Wiederaufbau-Koordinator Ernst Strasser Transparenz hinsichtlich der Hilfsgelder, ohne Vermischung von privater und öffentlicher Hilfe: Es sei oft schwer feststellbar, was mit den zugesagten 50 Millionen Euro an öffentlichen Geldern geschehe und woher sie kommen. Es wäre sinnvoll, „wenn auf der Homepage eine klare Trennung von öffentlichen und privaten Geldern ersichtlich wird“. Als „nicht seriös“ und nicht dem Ministerratsbeschluss entsprechend kritisierte Hödl in diesem Zusammenhang, dass Kärnten eine Spendengala veranstalte, Wien die Wirtschaft „anschnorren“ wolle, um Hilfsmittel zu organisieren, und Niederösterreich seine bisherigen Pläne beziehungsweise Zusagen ausgesetzt habe.

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