Österreichische Geiseln in Algerien frei

Die befreiten Sahara-Touristen sind bereits auf dem Weg nach Österreich und werden um 19.30 Uhr in Salzburg erwartet. Chronologie der Entführung |

Große Freude in Österreich:
Die acht Salzburger und zwei Tiroler, die seit Anfang April in der algerischen Sahara als vermisst galten und sich in den Händen von Geiselnehmern befanden, sind der Nacht auf heute, Mittwoch, befreit worden. Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut, sie sollen am Nachmittag nach Österreich zurückkehren. Die 17 europäischen Touristen in Algerien sind aus der Gewalt der Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) befreit worden. Dies teilte der algerische Generalstab am Mittwoch in Algier mit.

Der bewaffneten Gruppe von Hassan Hattab werden Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden nachgesagt.
(Forts.) Keine offiziellen Informationen gab es über die Details der Befreiung. Eine algerische Zeitung berichtete von einer mehrstündigen Aktion, bei der mehrere Geiselnehmer und Soldaten getötet worden seien und es möglicherweise auch unter den Geiseln Opfer gegeben habe.

In Wien-Schwechat startete am Vormittag eine Maschine der Lauda Air nach Algier, um die befreiten österreichischen Geiseln abzuholen und nach Salzburg zu bringen. Die Ankunft des Flugzeugs wurde für 15.30 Uhr erwartet.

Zugleich mit den zehn Österreichern sind sechs Deutsche befreit worden, verwirrende Informationen gab es um das Schicksal eines Schweden. Von Ende Februar an wurden in Algerien nach und nach insgesamt 32 europäische Touristen als verschollen gemeldet: Neben den zehn Österreichern 16 Deutsche, vier Schweizer, ein Niederländer und ein Schwede. Meldungen aus Stockholm, wonach nun auch ein Schwede befreit worden sei, dürften sich auf einen in Deutschland lebenden Schweden beziehen, der mit einer deutschen Gruppe unterwegs war. Somit dürften sich nun noch 16 Touristen in der Gewalt von Geiselnehmern befinden.

Die befreiten Österreicher wurden zunächst in ein Militärkrankenhaus nach Algier gebracht. Nach Angaben des Salzburger Landeshauptmanns Franz Schausberger (V) sind sie wohlauf. Einer von ihnen, der Salzburger Ingo Bleckmann (60), telefonierte noch in der Nacht mit seiner Familie in Salzburg. Einige der Angehörigen erfuhren erst aus den Medien von der Befreiung der Geiseln. Diese wurden nach Schausberger vorliegenden Informationen von den algerischen Behörden durchgeführt.

Zu den Umständen der Aktion gab es vorerst keine offiziellen Informationen. Begründet wurde dies mit der Rücksicht auf die Situation der verbliebenen 16 Geiseln, deren Leben dadurch nicht gefährdet werden solle. Die algerische Tageszeitung „El Watan“ berichtete, dass neun Entführer getötet worden seien. Die Aktion durch Spezialeinheiten des Militärs habe mehrere Stunden gedauert, wobei auch Soldaten getötet worden seien. Möglicherweise habe es auch Opfer unter den Geiseln gegeben. Dies entspreche nicht dem Kenntnisstand des Auswärtigen Amtes, hieß es dazu laut dpa in Berlin. Widersprüchlich waren die Angaben der algerischen Blätter, wo die Touristen gefangen gehalten wurden.

Der Radiosender France Info berichtete laut der Nachrichtenagentur AP, die Geiseln seien von den algerischen Streitkräften befreit worden. Die Verhandlungen über eine Freilassung seien zuvor gescheitert. Die Touristen seien an mindestens zwei verschiedenen Orten festgehalten worden. Der deutsche Innenminister Otto Schily sprach von einer „sehr prekären Situation“. Deshalb könne er keine näheren Einzelheiten nennen. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hatte sich am Montag in Algier persönlich um die Freilassung der Geiseln gekümmert.

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