Oskar und die Dame in Rosa

Melodram mit Fantasie und Humor: Eric-Emmanuel Schmitt hat seinen Bestseller "Oscar und die Dame in Rosa" verfilmt. Ein Melodrama, das zu Tränen rührt, aber auch eine dicke Portion Witz enthält.
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Man kann sich für einen Kinoabend ein leichteres Thema vorstellen, als das eines an Krebs erkrankten Kindes. Doch der Film “Oscar und die Dame in Rosa” ist unter der Regie des französischen Dramatikers Eric-Emmanuel Schmitt entstanden und das heißt: Ein Film, der zwar auf die Tränendrüse drückt, gleichzeitig aber voller Menschlichkeit und Humor ist. Die dicke Portion an Fantasie, wenn auch teilweise zu bunt und abgedreht, erlaubt kleine Ausreißer aus der Wirklichkeit, heitere Momente wechseln mit dramatischen ab. Ab Donnerstag, 14. Oktober, ist der Streifen in den österreichischen Kinos zu sehen.

Schmitts Verfilmung seines gleichnamigen Weltbestsellers ist mutig, denn das Thema geht an die Nieren. Der zehnjährige an Leukämie leidende Oskar verbringt seine letzten Tage im Krankenhaus. Seine Freunde sind seine kleinen Mitpatienten: Peggy Blue, die an Blausucht leidet, oder Einstein mit dem Wasserkopf. Seinen Eltern und dem Krankenhauspersonal gegenüber hüllt sich Oscar in Schweigen. Er ist traurig und wütend, weil keiner der Erwachsenen den Mut aufbringt, ihm die Wahrheit über seine Krankheit zu sagen.

Erst die Begegnung mit der resoluten Rose (Michèle Laroque) bringt Sonnenschein in sein Leben. Rose weiß einzustecken, aber auch auszuteilen. Wütend, weil sie in der Klinik keinen Abnehmer für ihre selbst gebackenen “Pinky Pizzas” findet, staucht sie Oscar, der ihr ihm Weg steht, heftig zusammen. Dem Buben gefällt die ruppige und kaltschnäuzige Art und er will Rose wieder sehen. Zwischen ihm und der eigenwilligen Pizzabäckerin im rosafarbenen Kostüm entsteht schließlich eine tiefe Freundschaft, die nicht nur die letzten Tage des todkranken Oscars beeinflussen, sondern auch Roses eigenes Leben.

An Menschlichkeit und Originalität fehlt es dem Film nicht. Rose schlägt ihrem kleinen Freund vor, er solle sich vorstellen, dass er an jedem Tag so viel erlebt wie in zehn Jahren. Im Schnelldurchlauf wohnt er seiner Kindheit, Jugend, ersten Liebe, Ehe und dem Alter bei. Um sich seine Probleme von der Seele zu schreiben, empfiehlt ihm Rose weiter, täglich einen Brief an den lieben Gott zu schreiben, nicht um sich Spielzeug zu wünschen, sondern immaterielle Dinge wie Mut und Geduld. Szenen, die einen zum Nachdenken über das eigene Dasein bringen, auch wenn einige durch ihre starke religiöse Symbolik fast schon missionarisch wirken.

Die Rückblicke auf Roses früheres Leben als Wrestlerin verleihen dem Film viel Witz und Humor. In Form von Fantasy- und Animationsfrequenzen lassen sie für einige Minuten die Wirklichkeit vergessen. Auch in diesem Film zeigt Michele Laroque (“Endlich Witwe”), dass sie eine begnadete Komikerin ist. Die Schauspielerin ist der ideale Gegenpol zum kleinen Oscar (Amir Ben Abdelmoumen), der eine wahre Casting-Entdeckung ist. Auch mit der Besetzung der Nebenrollen bewies Schmitt ein glückliches Händchen: Als Arzt des todkranken Buben zum Beispiel hat er Max von Sydow gewählt. Mit “Oscar und die Dame in Rosa“, seinem zweiten Film, hat Schmitt bewiesen, dass er nicht nur Romane und Theaterstücke schreiben kann.

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