Organisierte Kriminalität durch lange Haftstrafen treffen

Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl geht noch vor Vorliegen der konkreten Zahlen für 2010 von einem Rückgang der Straftaten um neun Prozent im Vergleich zu 2009 und einer Aufklärungsquote von rund 30 Prozent aus.
Er führt diesen Erfolg auf Schwerpunktaktionen unter anderem gegen Einbruchskriminalität und intensive Ermittlungen gegen Banden zurück. “Die organisierte Kriminalität (OK) funktioniert wie eine Firma. Wir wollen den Standort Wien so unattraktiv wie möglich machen”, sagte Pürstl im Gespräch mit der APA.

Die Einbruchskriminalität in Wien ist fest in der Hand osteuropäischer Banden: Georgier, Moldawier, Rumänen und Organisationen aus Balkanländern. “Jeder Festgenommene kostet die ‘Firma’ Geld. Je länger ein Bandenmitglied in Haft ist, desto ‘teurer’ wird es”, erläuterte Pürstl. “Jetzt zu sagen, die Richter sollen strenger strafen und dann wird die Welt besser, wäre falsch. Die Gerichte können nur dann längere Strafen verhängen, wenn die Polizei Serientäter liefert. Deshalb müssen wir Intensivtäter- und Strukturermittlungen ebenso durchführen wie Ermittlungen gegen ethnische Gruppierungen”, sagte der Polizeipräsident. “Auch wenn ich dafür kritisiert wurde, wenn es Beamte gibt, die zum Beispiel ausschließlich gegen Georgier oder Moldawier ermitteln, die auf bestimmte Einbruchsphänomene spezialisiert sind: Das ist notwendig und dazu stehe ich.”

Eine weitere Reform des Kriminaldienstes sei nicht geplant, sagte Pürstl, aber: “Die Kriminalbeamten werden flexibler sein müssen.” Das sei bereits so konzipiert worden. “Wenn es zum Beispiel heißt, wir brauchen mehr Leute, die sich um Suchtgiftkriminalität kümmern, werden auch Beamte, die sich bis dahin mit anderen Kriminalitätsbereichen beschäftigt haben, vorübergehend dafür eingesetzt. Sie sind Poolbeamte. Zu sagen, da ist mein Arbeitsplatz und nirgends sonst, ist nicht möglich.” Verbessert werden soll auch der Info-Austausch, was laut Pürstl 50 Jahre lang vernachlässigt wurde: Unter anderem durch regelmäßige Treffen bis zur Ebene von Kriminalbeamten-Gruppen und Stadtpolizeikommanden.

Voraussichtlich 2012 will Pürstl nach dem Vorbild deutscher Städte eine sogenannte Bereitschaftspolizei einführen, die für zentral gesteuerte Aktionen – etwa U-Bahnstreifen oder Schwerpunktkontrollen eingesetzt wird. Sie soll aus Uniformierten bestehen, die nach der Ausbildung auf einer Inspektion das Handwerk gelernt haben und dann zeitlich begrenzt der neuen Truppe angehören. “120 Beamte wird man als Minimum veranschlagen müssen”, sagte der Polizeipräsident, der sich vorerst nicht auf eine genaue Größenordnung festlegen möchte. “Das muss man alles genau planen und mit der Personalvertretung verhandeln.” Von 2009 bis 2013 werden jährlich 450 Polizeischüler aufgenommen, sodass bis 2015 rund 2.250 junge Beamte zur Verfügung stehen. Unter Berücksichtigung von Abgängen durch Pensionierungen, Dienstzuteilungen und Versetzungen geht Pürstl von ungefähr 1.000 Beamten aus, die 2015 mehr zur Verfügung stehen werden.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Organisierte Kriminalität durch lange Haftstrafen treffen
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen