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Organisierte Kriminalität blüht in Wien

Drogenhandel, Frauenhandel, Einbrecherbanden - Wien wird zunehmend zu einer Drehscheibe für die organisierte Kriminalität.

Blutige Auseinandersetzungen in kriminellen Banden oder zwischen verfeindeten Lagern der organisierten Kriminalität gibt es in Österreich jedoch selten. “Es ist so, dass es verglichen zu anderen europäischen Staaten relativ selten vorkommt”, sagte Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt. Zuletzt sei es im Oktober 2008 in Wien-Leopoldstadt zu einer Schießerei zwischen konkurrierenden Gruppen gekommen. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Eine Ursache für das gewaltsame Austragen von Rivalitäten finde man im grundlegenden System von Verbrecherbanden, betonte Zwettler. “Organisierte Kriminalität funktioniert nicht nach wesentlich anderen Regeln wie die Wirtschaft.” Anders als dort gebe es im kriminellen Milieu allerdings keine Sanktionen durch Gerichte – daher würden “Vergehen” vielmehr mit Drohungen und Gewalttaten geahndet.

Die aufsehenerregendste Fehde zwischen verfeindeten Banden gab es in den vergangenen Jahren laut Zwettler in Wien-Hernals. Bei einer wilden Schießerei zwischen Serben und Albanern am 30. Mai 2006 im – mittlerweile umbenannten – Cafe “Cappuccino” wurde ein 32-jähriger Lokalbesucher getötet, ein zweiter wurde schwer verletzt.

Drogen- und Frauenhandel nehmen in Österreich im Bereich der organisierten Kriminalität den größten Bereich ein, so Zwettler. “Wir sind ein Transitland für afghanisches Heroin.” Die Alpenrepublik nehme bei Drogengeschäften vor allem wegen seiner zentralen Lage eine bedeutende Rolle ein. Auf der Balkan-Route würden die Suchtmittel von Afghanistan über Österreich vor allem bis nach Skandinavien, Großbritannien, Deutschland oder Italien durchgeschleust. Organisierte Gruppen gebe es vor allem aus der Türkei und Staaten des früheren Jugoslawiens.

Beim internationalen Frauenhandel sei Österreich sowohl Zwischenstopp als auch Zielland, erklärte Zwettler. Frauen aus verschiedenen Teilen Osteuropas wie Weißrussland, Ungarn oder Rumänien würden verstärkt über die Grenzen gebracht. “Da gehört massiv etwas dagegen getan”, betonte der Kriminalist.

Zu typischen Bandendelikten zählen weiters organisierte Einbruchsdiebstähle vor allem durch Georgier, Moldawier oder Staatsbürgern aus Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Betrugsdelikte, bei denen alten Menschen beispielsweise mit dem “Nichten-Neffen-Trick” Bargeld abgeluchst werde, gehören ebenfalls zum Tagesgeschäft.

“Wien ist die einzige Millionenstadt, die wir haben – sie bietet eine ordentliche Infrastruktur und Anonymität”, hob Zwettler die besondere Stellung der Bundeshauptstadt für Kriminelle hervor. Grundsätzlich würden die Täter-Organisationen eher im Ausland sitzen und Mitglieder zum Beispiel für Einbrüche gezielt nach Österreich schicken. Manchmal finde man bei Festnahmen sogar genaue Listen mit der von Hehlern gewünschten Ware.

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