ORF-Wahl: Das haben die Kandidaten mit ORF 1 und Co. vor

Besonders mit dem ORF 1 haben die Kandidaten viel vor.
Besonders mit dem ORF 1 haben die Kandidaten viel vor. ©APA
Die Kandidaten der ORF-Wahl wurden zu ihren Plänen für die TV-Kanäle des ORF befragt. Bei einem Thema sind dabei alle gleicher Meinung: Eine Umgestaltung von ORF 1 sei "ohne Alternative".

Die Bewerbungskonzepte der aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten für den ORF-Generaldirektorenposten weisen Vorhaben zur (Neu-)Positionierung der einzelnen TV-Kanäle auf. Dabei unterscheiden sich die Konzepte in vielerlei Hinsicht nicht sonderlich stark. ORF 1 brauche Veränderung, ORF 2 stehe ganz gut da, ORF III müsse sein Profil schärfen und ORF Sport + teilweise auf den Player migrieren, so die grob skizzierten Vorhaben.

ORF 1 soll sich ändern

ORF 1 wird nicht beim Alten bleiben - soviel steht fest. Das geht aus den der APA vorliegenden Konzepten des amtierenden Generaldirektors Alexander Wrabetz, des ORF-Vizefinanzdirektors Roland Weißmann und der ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer hervor. Für den auf jüngere Zielgruppen fokussierten Sender sei eine Umgestaltung "ohne Alternative", schreibt Wrabetz. Konkret kündigt er im Falle einer Wiederbestellung an, dem Sender eine zentrale Rolle im "Audience-Development-Prozess" der kommenden Jahre zukommen zu lassen. Die Kernzielgruppe will er auf die 25- bis 50-Jährigen verlagern.

Dieselbe Zielgruppe strebt auch Weißmann für ORF 1 in seinem Konzept an. In Zukunft will er verstärkt das Milieu der "Hedonisten" ansprechen, die lineare Angebote mehr als doppelt so lange nützen würden als die aktuell angesprochenen "digitalen Individualisten".

Totzauer will das gesamte Programm verjüngen, damit im Schnitt eine jüngere Zielgruppe erreicht werden kann. Um die jungen Zielgruppen von den Plattformen zurückzuerobern, wittert sie hinsichtlich klassischer TV-Shows eine Chance und schlägt eine "neue Entertainment-Offensive" vor. Denn: Leichte Unterhaltung sei in hohem Maße identitätsstiftend für das Programm. In jedem der Fernsehkanäle solle mindestens ein Tag pro Woche das ganze Jahr über durchgehend mit Unterhaltungsshows bespielt werden, so die ORF 1-Channelmanagerin.

Kandidaten mit ORF 2 zufrieden

Weit zufriedener sind die Kandidaten mit ORF 2. Der Sender positioniert sich laut Totzauer in der Mitte der Gesellschaft und soll das weiterhin tun. Wrabetz will das Programmspektrum "behutsam weiterentwickeln" und ORF 2 wieder breiter aufstellen. "Dabei ist insbesondere der Unterhaltungsbereich zu stärken", so Wrabetz. Auch Weißmann will die Positionierung von ORF 2 nicht großartig antasten. Ziel sei es, ein modernes, authentisches Programm mit europäischer und globaler Sicht in der Berichterstattung zu gestalten.

ORF III mit mehr Kultur

ORF III soll laut Weißmann als Kultur- und Informationskanal durch eine stärkere Fokussierung auf seinen Kernauftrag weiterentwickelt werden, um treffsichererer "gehobene und traditionelle Milieus" anzusprechen. Damit das gelingt, soll verstärkt auf Kontextualisierung von Inhalten gesetzt werden. Wrabetz meint, ORF III habe sich bisher gut entwickelt. Er will dem Sender künftig mehr Raum für popkulturelle Phänomene, der Freien Szene und alternative Kulturformen geben.

Totzauer plädiert ebenfalls für ein "geschärftes Profil" und somit Fokus auf Information und Kultur. Die Zweitverwertung von Serien und Filmen soll laut ihr künftig keinen Platz auf ORF III finden - sehr wohl aber Arthouse-Filme. Mit diesbezüglichen Interviewaussagen hat Totzauer die ORF III-Führung rund um Peter Schöber und Eva Schindlauer vergrämt. Die beiden übten in einer internen Mail, von der "Standard" und "Kurier" berichteten, Kritik an ihr. "Befremdlich, um nicht zu sagen rufschädigend" sei es, wie Totzauer sich zu ORF III äußere. Sie solle lieber ihre eigene Leistungsbilanz als ORF 1-Channelmanagerin in den Vordergrund stellen, anstatt die erfolgreiche Arbeit aus anderen Konzernbereichen zu kritisieren, so Schöber und Schindlauer.

ORF Sport + bald nur noch digital?

ORF Sport + dürfte früher oder später teilweise auf den geplanten ORF-Player migrieren. So schreibt Totzauer, dass der Sender "im TV seine Stärken nur begrenzt ausspielen" könne. Daher werde ORF Sport + um eine starke Repräsentanz auf den zukünftigen On-Demand-Angeboten des ORF ergänzt. Wrabetz plant eine "enge Verzahnung zwischen ORF Sport + und dem Sport-Modul des Players". Er überlegt, "den für den programmlichen Longtail im Sport geschaffenen TV-Kanal nach erfolgreicher Etablierung des ORF-Players zu migrieren und innerhalb der neuen Streaming-Plattform aufgehen zu lassen." Dies solle aber nicht vor 2025 stattfinden. Weißmann will die "Migration von ORF Sport + in den Sport-Screen" mit dem Aufbau der Reichweiten des ORF-Players synchronisieren.

Mehr Geld für ORF-Landesstudios

Die Landesstudios dürfen sich wohl mit Beginn der Amtsperiode des künftigen ORF-Chefs auf mehr Ressourcen einstellen. Das geht aus den der APA vorliegenden Konzepten des amtierenden Generaldirektors Alexander Wrabetz, des ORF-Vizefinanzdirektors Roland Weißmann und der ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer hervor. So schreibt Totzauer, das Alleinstellungsmerkmal des ORF heiße "Österreich". "Wir müssen die Beziehung zur Bevölkerung stärken", so die Channelmanagerin. Das will sie mit österreichischem Programm, einer Abbildung regionaler Dialekte und letztlich mit mehr Ressourcen für die Landesstudios bewerkstelligen. Weißmann sieht Regionalität als "Anker in einer globalen Welt" an und will folglich die Autonomie der Landesstudios und deren digitale Möglichkeiten ausbauen. Er will mehr Programmflächen - vor allem in der Primetime - und regionale Schwerpunkte ermöglichen.

(APA/red)

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