ORF unter Beschuss

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Kritik an der ORF-Führung übt Thaddäus „Teddy“ Podgorski, von 1986 bis 1990 Generalintendant des öffentlich-rechtlichen Senders.

Unter den Mitarbeitern des ORF herrsche „Furcht und Angst“, Qualitätsprogramm gebe es praktisch nicht mehr und darüber hinaus „verwendet die politische Mehrheit im Land den ORF brachial“, so Podgorski im Interview mit dem Branchenmagazin „Extradienst“.

Im ORF-Fernsehen würden derzeit vor allem deutsche Formate kopiert und mit einem österreichischen Mascherl versehen oder gleich Koproduktionen mit deutschen Privatsendern gemacht. Ob hier der Mut zum Eigenen fehle? „Nein, es fehlt nicht der Mut, es ist Unvermögen:
Sie bringen es einfach nicht zusammen. Ich wüsste auch gar nicht, wer im ORF heute noch ein Qualitätsprogramm machen soll“, wird Podgorski im „Extradienst“ zitiert. Wenig schmeichelhaft auch Podgorskis Sicht der Arbeit von ORF-Generaldirektorin Monika Lindner: „Sie gefällt mir sehr gut in den Seitenblicken. Ansonsten bin ich bei meiner Beurteilung auf Mitteilungen aus dem Haus angewiesen. Und dort dürfte die Stimmung ziemlich kaputt sein.“

Ein großes Problem ortet der frühere ORF-Chef im politischen Druck auf den ORF. „Es wird im Fernsehen eher den Mächtigen das Wort geredet. Es gibt viel zu wenig Kritikansätze und kaum analytische Berichterstattung, die versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen.“ Die Nachrichten im ORF findet Podgorski unausgewogen. Woran das liege? „Es liegt daran, dass der ORF der ÖVP gehört. Ganz einfach. Und wenn die Sozialisten am Ruder wären, würden die genauso verfahren. Nur aus meiner Erfahrung heraus zögerlicher, mit mehr Skrupel.“ Podgorski, der 1986 mit den Stimmen der SPÖ-Kuratoren zum ORF-Chef gewählt wurde, weiter: „Monika Lindner weiß ja auch, von wem sie eingesetzt wurde. Und sie wird sich ihrer Fesseln, die sie dadurch hat, bewusst sein.“

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