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Opfer vor Jahren an Täter verkauft

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Der Hintergrund der am Montag vereitelten Entführung in Wien bzw. Niederösterreich ist offenbar ein altes „Geschäft“ zwischen den Familien des Opfers und der Täter. „Geschäftsgegenstand“:

Die 20-jährige Rumänin Nicoletta C. – also das Entführungsopfer selbst. Sie soll vor mehreren Jahren von ihrem Vater an die mutmaßlichen Kidnapper verkauft worden sein. So stellt sich der Fall einen Tag danach für die Ermittler der Kriminaldirektion 1 nach der Einvernahme aller Beteiligten dar.

Die 20-Jährige war am Montag in der Früh in Wien-Wieden von ihren Peinigern entführt worden. Sie hatte versucht, von Deutschland über Wien in die rumänische Heimat zu reisen. Nicoletta C. wollte sich bei der rumänischen Botschaft Heimreisedokumente ausstellen lassen – bei dem Gebäude zerrten fünf Mitglieder einer kriminellen Vereinigung die junge Frau brutal in ein Auto. Das Fluchtfahrtzeug stoppten Beamte der Autobahnpolizei wenig später auf der Westautobahn (A1) im Bezirk St. Pölten.

Nach jüngstem Erkenntnisstand der Exekutive handelt es sich bei dem Fall um Folgen eines Geschäfts zweier Familien, die zur Volksgruppe der Roma gehören. Demnach soll Nicoletta C. von ihrem Vater an die in Deutschland ansässige Familie verkauft worden sein, als sie zwischen 13 und 15 Jahren alt war. „Das ist so üblich“, sagte einer der Ermittler. Mit dem Sohn des mutmaßlichen Entführers soll die junge Frau in Deutschland zusammengelebt haben.

„Irgendwann hat es ihr nicht mehr gepasst, und sie flüchtete“, so der Fahnder. Nicht das erste Mal: Bereits früher soll sie einmal nach Rumänien gefahren sein und vorübergehend bei ihrer Familie gelebt haben, bevor sie wieder nach Deutschland zurückfuhr, wo es ihr wirtschaftlich besser ging. Die mutmaßlichen Entführer behaupten nun, dass sie diesmal 9.000 Euro auf ihrer Flucht mitgehen ließ. Das wurde in Deutschland auch angezeigt.

Die Entführer vermuteten, dass Nicoletta C. eine rumänische Vertretungsbehörde aufsuchen würde, da ihr der Pass abgenommen worden war. Sie tippten richtigerweise auf Wien. Was sie nicht wussten, war die Tatsache, dass die 20-Jährige mittlerweile ihren Vater und ihren Bruder alarmiert hatte und die beiden bereits bei ihr waren. So kam es zu den turbulenten Szenen vor der Botschaft.

Das Unrechtsbewusstsein der Verdächtigen dürfte nicht vorhanden sein. „Die Einstellung lautet: ’Wir haben für sie bezahlt, also gehört sie uns’. Nach unserem Strafrecht handelt es sich aber eindeutig um einen Entführungsversuch“, sagte ein Ermittler. Die Verdächtigen werden nun dem Untersuchungsrichter vorgeführt, das Opfer wurde auf freien Fuß gesetzt. Gegen die 20-Jährige liegt in Österreich nichts vor.

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