Opernsängerin Elina Garanca ist "wirklich kein Fußballfan"

Bei der "Gala der Opern-Weltstars" in der Wiener Stadthalle (23.6.) vertritt Elina Garanca die Opernwelt während der EURO 2008 in Wien - selber interessiert sie sich jedoch nicht für jenen Sport, dem derzeit kaum auszuweichen ist:

“Ich bin wirklich kein Fußballfan”, sagte Garanca mit herzhaftem Lachen im Interview mit der APA. “Ich verstehe noch immer nicht, warum so viele Männer auf einem Feld einem weißen Ball hinterherlaufen”, so die lettische Mezzosopranistin.

Auch im Beruf als Opernsängerin steht bei der von der Kritik hochgelobten Sängerin nicht die “sportliche” Leistung im Mittelpunkt – bei ihr gehe es “immer um die Emotion”. “Ich überlege mir nicht, ‘mein Gott, habe ich jetzt diese Arie schön aufgebaut’, sondern ob ich das Publikum berühre, ob ich die Menschen mit einer Arie ärgere oder umarme. Ich will, dass sie wirklich berührt sind. Ob der eine Ton jetzt besser oder schlechter war, macht gar keinen Unterschied.” Auch beim langjährigen Opernpublikum gehe es weniger darum, dass jeder Ton perfekt sitzt. Langjährige Operngeher wissen, “dass es Tage gibt, an denen ein Sänger schlechter oder besser drauf ist. Das wird auch verziehen, wenn die Emotion stimmt.”

Garanca wird in einer hochkarätig besetzten Aufführung ab kommender Woche an drei Abenden (22., 25., 28. 4.) im Wiener Konzerthaus bei Bellinis “I Capuleti e i Montecchi” mit Anna Netrebko und Joseph Calleja zu erleben sein und gibt ebenso die “Opern-Weltstar-Gala” in der Wiener Stadthalle und ein Konzert im Römersteinbruch von St. Margarethen (14. Juni). Vor wem singt es sich leichter – vor den kritischen Opernkennern oder denjenigen, die im Rahmen einer “EURO”-Gala vielleicht erstmals ein Opernkonzert besuchen? “Wenn man schon weiß, was für ein Publikum einen erwartet, wählt man ein entsprechendes Repertoire”, so die Sängerin. Hat der Auftritt einmal begonnen, weiß sie dann sofort, ob der Abend leicht oder schwierig wird: “Man spürt es, wenn man auf der Bühne steht und den ersten Ton singt, ob das Publikum interessiert ist oder ob sie da sind, weil sie da sein müssen und sich langweilen”, so die Sängerin.

Über die Reaktion der Kritiker kann sich die Sängerin jedenfalls nicht beklagen: 2004 von der Fachzeitschrift “Opernwelt” zur Nachwuchssängerin des Jahres gewählt, bekam sie schon 2007 den “Echo Klassik” als “Sängerin des Jahres”. Nach Engagements in Meiningen und Frankfurt gelang ihr 2003 bei den Salzburger Festspielen als Annio im “Titus” der internationale Durchbruch. Im gleichen Jahr gab sie ihr Staatsoperndebüt, und schon 2005 war sie – gemeinsam mit “Werther”-Partner Alvarez – umjubelter Star der Gesangseinlage am Opernball. Liest sie Kritiken? “Ich versuche, sie erst am Ende einer Aufführungsserie zu lesen, nicht nach der Premiere gleich am nächsten Morgen im Internet. Wenn man Lob kriegt, ist man sonst zu euphorisch, wenn sie zu schlecht sind, wird man depressiv, verklemmt und unkonzentriert.” Kritiken könnten jedoch bei der Entwicklung helfen.

Dass in den Medien gerade die Opernstars oft übermäßig gehypt (und dann auch schnell wieder fallen gelassen) werden, dagegen kann Garanca “nichts machen”. Aus der Sicht der Sänger stellen sich etwa die schon im Vorfeld für Euphorie bei Presse und Publikum sorgenden Bellini-Aufführungen im Konzerthaus jedenfalls weniger aufgeregt dar: “Anna Netrebko ist die gleiche Kollegin, wie ich sie 1996 oder 1997 kennengelernt habe. Unsere Beziehung hat sich nicht verändert.” Und so geht es auch bei so hochkarätig besetzten Aufführungen “um die Oper”.

Dass so manche Inszenierung auch die Sänger nicht glücklich macht, sei richtig: “Ich habe gestern im Fernsehen eine Aufführung gesehen und mir gedacht, warum macht der Sänger das eigentlich, wenn man merkt, wie unglücklich sie oder er ist.” Sie selbst sei “offen für unglaublich viele Sachen. Auch moderne Inszenierungen”. Wenn man jedoch in einer Inszenierung mit seiner Rolle “nichts anfangen” kann, sollten sich die Sänger die Freiheit bewahren können, die Rolle zurückzulegen. “Aber leider geht das nicht so, weil die Kollegen Angst haben, dass sie nie wieder eingeladen oder rausgeschmissen werden. Es ist wichtig, dass man sich treu bleibt. Immer.”

Um bei der rasanten Karriere sich nicht auch – wie etwa Rolando Villazon – der Gefahr einer Überlastung auszusetzen, setzt die in Riga geborene Garanca auf einfache Rezepte: “Pausen, acht Stunden Schlaf, weniger Konzerte während Promotions” – und vor allem nicht zu viel zu sprechen. “Ich habe mit einem Kollegen gelacht, der hat zu meinem Mann gesagt: Mein Gott, bist du nicht froh, dass deine Frau so wenig redet?”

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