Opernsängerin Christa Ludwig wird 85

Opernlegende Christa Ludwig feiert ihren 85.
Opernlegende Christa Ludwig feiert ihren 85. ©EPA
Eine "wahrhaftig gottbegnadete Künstlerin" nannte sie der damalige Staatsoperndirektor Ioan Holender. In Wien verabschiedete sich die große Christa Ludwig einst von ihrem Publikum: Ihren Bühnenabschied gab sie am 14. Dezember 1994 an der Staatsoper als Klytämnestra mit ihrem insgesamt 769. Auftritt im Haus am Ring.

Die Ausnahmesängerin hat an allen großen Opernhäusern gesungen und mit den berühmtesten Dirigenten ihrer Zeit zusammengearbeitet. Am Samstag (16. März) feiert die bei Wien lebende Mezzosopranistin nun ihren 85. Geburtstag. Am Sonntag feiert die Staatsoper ihren Altstar mit einer Matinee.

Geboren wurde Christa Ludwig am 16. März 1928 in Berlin als Tochter des Sängerpaares Anton Ludwig und Eugenie Besalla. Sie wuchs in Aachen und Hanau auf und versuchte sich unter der Obhut der Mutter schon damals an Koloraturarien. Als Achtjährige bewältigte Ludwig bereits die große Arie von Mozarts Königin der Nacht. In Aachen besuchte sie neben der Schule auch das Konservatorium, wo sie Unterricht in Klavier, Cello, Flöte und Musiktheorie erhielt. Gesang studierte sie jedoch ausschließlich bei ihrer Mutter.

Vielgerühmte Altistin Christa Ludwig

1946 debütierte Ludwig als Prinz Orlofsky in der “Fledermaus” an den Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main, wo sie bis 1952 als Altistin Mitglied des Ensembles war. Auch in den folgenden Jahren wurde sie noch bevorzugt als Altistin eingesetzt, bis sie ihre eigentliche Stimmlage im Mezzosopran fand. Dennoch unternahm sie immer wieder Ausflüge sowohl ins Alt- als auch ins Sopranfach und bewahrte sich ihre Liebe zur Koloratur. So sang sie zum Beispiel Partien wie die der Rosina in “Der Barbier von Sevilla” oder der Angelina in “La Cenerentola” von Gioacchino Rossini.

Nach weiteren Engagements in Darmstadt (1952 bis 1954) und Hannover holte sie Karl Böhm 1955 an die Wiener Staatsoper, wo sie insgesamt 42 Partien singen sollte. Seit ihrem ersten Auftritt bei den Salzburger Festspielen 1955 war sie dort ebenso Stammgast wie in Bayreuth und bei vielen anderen bedeutenden Musikfestspielen. Zwar war sie auch in der Deutschen Oper Berlin, der Grand Opera in Paris oder der Metropolitan Opera in New York zu Hause und absolvierte große Tourneen, ihre künstlerische Heimat blieb jedoch Wien.

Ludwigs Repertoire umfasste die wichtigsten Alt- und Mezzosopranpartien von Mozart bis Bela Bartok, aber auch zahlreiche dramatische Sopranpartien. Zu ihren Glanzrollen zählen etwa die Marschallin im “Rosenkavalier” von Richard Strauss, die Kundry in Richard Wagners “Parsifal” und die Leonore in Ludwig van Beethovens “Fidelio” oder Giuseppe Verdis Lady Macbeth. Daneben erwies sich Ludwig zunehmend als glänzende Liedinterpretin, insbesondere der romantischen und spätromantischen Werke von Schumann, Brahms und Mahler.

Ludwig schrieb Autobiografie

Ihren Bühnenabschied nahm die Sängerin, die seit Ende 1971 in zweiter Ehe mit dem 2011 verstorbenen französischen Regisseur und Schauspieler Paul-Emile Deiber verheiratet war und seit 2003 Offizier der Fremdenlegion ist, nicht schwer: “Jetzt fühle ich mich unglaublich frei, zu essen und zu reden, so viel ich möchte,” schrieb sie in ihrer Autobiografie. Ludwig habe sich, “zum großen Unterschied von sehr vielen, nur einmal verabschiedet”, so Holender in einer Staatsopernfestschrift zu ihrem 80. Geburtstag.

Den 85. würdigt die Staatsoper nun mit einer Matinee am Sonntag (17. März) um 11 Uhr.

(APA)

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